Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1916)
- Article
- Die deutsche Judenfrage in der Beleuchtung durch Hardens "Zukunft"
- Date
- 1916-07-01
- Page
- 153 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316857-2316861-2350807--26228-2350917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die deutsche Iudensrage m der Beleuchtung usw. 153 ein Erbgut der von ihm so verhätschelten Getauften und Baldgetauften! Wenn nun aber auch gewiß mancher gewichtige Grund zur Klage vorhanden ist, wenn auch vieles von den inneren Zuständen des Judentums uns durchaus nicht gefallen will, die Masse der deutschen Juden ist noch gesund, wurzelt noch in jüdischer Tradition und jüdischem Glauben, und jede wirklich seelische Haltlosigkeit fehlt ihr durchaus. Der jüdische Kaufmann sowie der Durchschnitt der jüdischen Akademiker arbeiten getreulich und zufrieden für sich und die Allgemeinheit, sie leben in jüdischreligiösen Anschauungen — der eine sie äußerlich starker, der andere schwächer betonend — sie empfinden gut jüdisch und gut deutsch. Auf die theoretische Zurückweisung der Phrase von der jüdischen Haltlosigkeit soll später einmal genauer eingegangen werden, hier mögen in Kürze nur schlichte Tatsachen reden. Für die Wissenschaft des Judentums, die Erforschung seiner Geschichte, für seine Religion, die Erhaltung der religiösen Institutionen werden ganz freiwillig erstaunlich große materielle und geistige Kräfte in den Dienst der jüdischen Sache gestellt, und an ehrenamtlich wirkenden Arbeitern gibt es für jede Aufgabe einen Ueberfluß. Die Opferwilligkeit für jüdische Zwecke, die weder durch die Aussicht auf Ehren noch durch die auf Anerkennung erregt werden kann, ist noch immer eine wunderbare, und trotz aller gewiß vorhandener Schäden kann das deutsche Judentum es mit jeder anderen religiösen Gemeinschaft aufnehmen, wenn es sich um die Macht des religiösen Gedankens, um die Kraft religiöser und historischer Tradition im menschlichen Leben handelt. Wohin man auch schauen mag, so besonders schwach und haltlos erscheinen weder das Gebäude des deutschen Judentums noch auch die Menschen, die es stützen. Und genaue Beobachter werden wissen, daß. wir uns keineswegs auf absteigender Bahn bewegen. Schmitz laßt den jüdischen Geist sehr tief verankert sein, er nennt ihn geradezu einen „Rassegeist" Oie), box er dem „christlich-germanischen Rassegeist" entgegensteltt. Wenn er nun auch diesen „Rassegeist", der in den größten aller Juden steckt, unterschieden wissen will von dem „entarteten Geist des jüdischen Großstadtmenschen", so weiß er doch im passenden Augenblick beide so gut durcheinander zu mischen, daß ein einheitliches Gebilde entsteht. And der arme Jude ist jedenfalls geliefert.. Besitzt er den echten Rassegeist eines Mose oder eines Spinoza, dann ist er zwar an sich nicht wertlos, immerhin aber ein Fremdkörper, besitzt er den dekadenten jüdischen Geist des Wurzellosen, dann ist er überhaupt minderwertiger Ausschuß. Für jeden Fall paßt er nicht in das SysM Des „christlichgermanischen" Staates.