Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1916)
- Article
- Die deutsche Judenfrage in der Beleuchtung durch Hardens "Zukunft"
- Date
- 1916-07-01
- Page
- 152 (sequence 7)
- Language
- German
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152 Im Deutschen Reichs selbst „für seine eigenen Vertreter gar keinen greifbaren, zu verteidigenden Inhalt mehr". Es ist, wie oben erwähnt, nur ein Name, und aus der Tragik, wegen dieses Nichts stets und ständig Angriffe zu erfahren, ergibt sich die innere Halb» heit, das „Uneinheitliche, Schwankende, Nervenschwache des späteren Menschen, dem man vor allen Dingen mangelnde Echtheit vorwirft". Man wird sich fragen, woher denn ein so krasser Außenseiter überhaupt das Recht, nimmt, die inneren Angelegenheiten einer ihm fernstehenden und völlig unbekannten Gemeinschaft zu beurteilen. Mir. will scheinen, als ob Schmitz außer einigen weltschmerzlich verklärten Kaffeehausjünglingen jüdischer Abstammung, die sich mit dem Judentum verwechseln, recht wenig Juden kennt. Von den Massen weiß er wirklich nichts, vor allem von der großen Schar derer, die still und unverdrossen Kulturwerte schaffen, deutsche Kulturwerte freudig mit erarbeiten. Die seelischen Vorgänge dieser Menge sind ihm absolut fremd geblieben, oder er müßte so oberflächlich schauen, um die berechtigte Empörung über Zurücksetzung, bewußte Kränkung, herabsetzende Beurteilung und schnöden Undank mit innerer Haltlosigkeit zu verwechseln. Schmitz spricht einfach blind ein Urteil nach, das von jeher bequem die Entrechtung einer ganzen Gemeinschaft entschuldigen sollte. Als mildernden Umstand müssen wir es ihm freilich anrechnen, daß er eine Stütze in gewissen nationaljüdischen Kreisen gefunden zu haben scheint, die sich gleichfalls darin gefallen, urbi et orbi von der inneren Haltlosigkeit und der Zwitternatur der jüdischen Seele zu erzählen. Es kann natürlich nicht Aufgabe dieser Betrachtung sein, das ganze Problem der deutschjüdischen Seele aufzurollen. Auch hier leidet das Judentum als Minderheit unter der Sucht zur Verallgemeinerung. Gewiß gibt es Schichten, auf die alle Vorwürfe zutreffen, es gibt dekadente Juden, es gibt haltlose und zersetzte Charaktere! Das sind tatsächlich jene, die den wirklich jüdischen Boden verloren haben und traditionslos in der Luft schweben. Aber wenn sie sich taufen lassen, werden sie gewiß nicht anders. Im Gegenteil! Gerade als Renegaten züchten sie in ihrer Wesenlosigkeit den Geist der Zersetzung, den nun die Welt einmal „jüdisch" nennt, obwohl er mit Judentum -nichts zu tun hat und nur das typische Zeichen der autoritätslosen Anmaßung ist, die keine Achtung vor dem Gewordenen hat und alles begeifert, was sie nicht begreift. Diesen „jüdischen" Geist hätte Schmitz vorzüglich in demselben Hefte studieren können, das seine Ausführungen enthält. In Reinkultur wäre er ihm in den pervers-lüsternen, geschraubten Ausführungen und Wendungen des von Witkowski-tzarden verfaßten Leitartikels entgegengetreten. Er ist