Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Article
- Israelitisches Heldentum und Kriegsfrömmigkeit im Alten Testament [Rezension]
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 139 (sequence 4)
- Language
- German
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Büch erschau. 139 handelt. Daß einmal einem kanaanitischen König Daumen und Zehen abgeschlagen werden, beweist noch kernen allgemeinen israelitischen Brauch, zumal dieses Scheusal an siebzig Königen so gehandelt hat und nicht den Hohn und Spott erleidet, den er geübt und der nach G. „israelitisch" sein soll. Wenn aber wirklich einmal ein allgemeines Urteil gefällt wird, aus feindlichem Munde sogar, daß die israelitischen Könige im Gegensatz zu den fremden milde Könige sind und diese Milde gegen dre Feinde gleich durch die Tat bewiesen wird, so sieht G. darin nur ein Zeichen, daß später die israelitischen Sitten Milderung erfahren haben. Daß einmal die „blutigen Teile eines geschlachteten Tieres" oder „die Stücke eines vom Feindes?) gemordeten Menschen" umhergesandt wurden, um zum Kampf aufzurütteln, beweist noch nicht, daß das Brauch war. Beide Falle werden als ganz außerordentliche geschildert, und im zweiten Fall handelt es sich um die Tat eines vor Schmerz wahnsinnig Gewordenen, der seine Brüder aufruft, eine Schandtat zu strafen, „wie sie niemals vordem geschehen in Israel". And wenn G. es auch „begreift", daß die jüdischen Könige Ahas und Manasse ihre Kinder in der Not dem Moloch geopfert haben, so können wir ihn nicht daran hindern, Aber wenn er daraus folgert: „So furchtbar kann diese Rel'igion in Zeiten der Bedrängnis werden," so ist uns ein solches Urteil völlig unbegreiflich! War diese Nachahmung heidnischer Greuel, die aufs furchtbarste gebrandmarkt wird, israelitische Religion? Wenn wir unsere kritischen Betrachtungen soweit ausgedehnt haben, so schien uns das geboten» weit ein Forscher vom Range G.s von den kleinen Göttern sehr schnell als letzte Autorität angeführt wird. Wir wollen aber auch gern hervorheben, daß G. über das Heldentum Israels und die Kriegsfrömmigkeit im Älten Testament recht viel Schönes und Erhebendes zu sagen weiß. Wir stimmen ihm darin bei, daß die ältesten Zeiten der israelitischen Geschichte manch rauhen und wilden Zug auswcisen, da diese Zeiten Eigenhilfe noch unentbehrlich machten. G. rühmt die tapferen Recken der alten Zeit, denen Hetdenstolz und Heldentrotz wohlvertraut waren. Er zeigt, wie auch im Frieden heldenhaftes Denken und tatkräftiges Handeln nicht fehlten. Besonderer Ruhm wird auch den Frauen zuerkannt, die den Männern ebenbürtig an Mut zur Seite standen, Heldenmütter, denen Heldensöhne entstammen mußten. Mit Recht betont G., daß die Fälle von heldenhaften Gestalten und Geschichten wohl dazu imstande ist, daß wir uns in dieser schweren Zeit daran aufrichten und kräftigen. Die geringe politische Stellung Israels erklärt G. mit Recht aus seiner geringen Volkszahl, nicht aus einem Mangel seines Charakters. In seiner unbezähmbaren Freihertslust sieht er die eigentliche Apache seines tragischen Antergangcs. In der Zeit der tiefen Demütigung sind mannhaftes Ausharren und unzerstörbare Vaterlandsliebe der Grund, daß das Volkstum und die Religion in allem Elend nicht zugrunde gegangen sind. Diesen heroischen Charakter will G. auch in Israels Religion erkennen. Es ser eine Willensreligion voll mächtiger Energie. Die Religion Israels habe eine solche Geschichte gehabt, weil sie diese heroische Leidenschaft gekannt hat, denn eben deshalb habe sie Männer erzeugt» 2Nanner von heldenhafter Wucht des religiösen Empfindens. Ein Volk aber, meint G., oder eine Gemeinschaft, die solche Bekenner findet» schlägt keine irdische Macht zu Boden.