Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Article
- Israelitisches Heldentum und Kriegsfrömmigkeit im Alten Testament [Rezension]
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 138 (sequence 3)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. '153 während man für ihn im Tempel betete» innerlich gewünscht Habe, daß „Gott ihn stürzen möge". Dieser König, für den nach der von (Vj. angeführten Stelle, gebetet wurde, war Cyrus, der doch noch ganz anoers von den ihn wahrhaft verehrenden Juden geehrt wurde. Hat ihn doch der große Prophet des Exils mit dem Ehrentitel eines „Knechtes Gottes > mit der Bezeichnung des „Messias" gekrönt! Daß .G. solche wenig schonen Charakterzüge bei dem spateren Israel '„begreifen" und „verstehen" würde, macht sie noch nicht zur Tatsache und gibt ihm nicht das Recht» daraus ein „Bild tiefer Erniedrigung" zu konstruieren. Sehr 'eingehend behandelt G. auch den „furchtbaren Rachegeist" der Israeliten. Als Beispiel aus alter Zeit muß natürlich Simson herhalten, dessen ganze Erscheinung doch eigentlich ein Frenrdkörper im Fleische Israels ist. Wer selbst hier wird noch stark unterstrichen. Wenn Simson Rache nimmt für seine Blendung» so übersetzt G.: „für eines seiner Bugen" rnrd fügt dcrün hinzu: „nur -für das eine! Denn wenn seine Rache voll sein sollte, müßte er noch aus dem Grabe erstehen können und nochmals morden!"!! Wir übersehen mit Kautzsch: „Daß ich für meine beiden Bugen, mit einem Schlage an den Philistern Rache nehme." — Buch die „blutige Legende" des Estherbuches wird mit starker Betonung angeführt, obgleich der Religionshistoriker G. doch weiß, daß wir dieses Büchlein heute anders lesen, als es Luther gelesen hat. Und wird nicht in dem Büchlein außerdem stets betont, daß die Juden sich nur versammelten- „um für ihr Leben einzustehen," daß sie sich „Ruhe schaffen" mußten vor ihren Feinden, und daß sie „ihre Hand nicht nach der Beute ausstreckten"?! Und wenn sich auch in einzelnen Psalmen der Verfolaungszeit das Sehnen findet. „Rache an den Völkern zu nehmen/' kennt dann wirklich, wie G. sagt, das spätere Judentum „keinen heißeren Wunsch"?! Gibt es keine Psalmen, die einen ganz anderen Geist atmen? Entstammen diesen Zeiten nicht das Büch Ruth, das die Tochter des verhaßten Volkes in reinster Menschenliebe willkommen heißt, das Buch Ionah, das die Offenbarung der Liebe und Güte Gottes kündet gegenüber dem Erzfeinde Israels?! Wir können auch nicht zugeben, daß Israels Kriege „wilder, blutiger, haßerfüllter gewesen smd als die der Gegenwart," daß man „das Sterben mit größerem Gleichmut angesehen und mehr getötet habe, als wir dazu imstande waren". Beweis ist für G. die Sintflutgeschichte, in der eine ganze Menschheit umkommt, „ohne daß darüber viele Worte verloren wurden". Ein etwas eigentümlicher Beweis! Es gibt sogar Erzählungen von Götterdämmerung und Weltuntergang, wo alles vernichtet wird, ohne daß darüber viele Worte verloren würden! Roch einige Einzelheiten, da auch sie ein allgemeines Urteil begründen sollen! Simson singt ein „grausiges Siegeslied". Ja, aber in den Liedern der Freiheitskriege findet es seine Parallelen! Daß der Knabe David dem Riesen Goliath „ohne Schauder" das Haupt abschlagt, ist doch ebensowenig ein Beweis für Israels Mitleidlosigkeit mit dem gefallenen Feinde, wie die Tatsache, daß „niemand dem Goliath eine Trane nachweint". Wir möchten G. das Gedicht von Matthias Claudius empfehlen von dem Riesen Goliath, das die Pädagogen keinem Kinderlesebuch vorenthalten. Buch was G. von den „blutigen Kriegssitten" sagt, bedarf sehr der Berichtigung zumal auch hier aus Einzelheiten unstatthafte Verallgemeinerungen aezogen sind. Die Beutezeichen Davids wollen wir nicht entschuldigen, koch übersieht G., daß es sich um Erkennungszeichen der Philister