Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
Israelitisches Heldentum und Kriegsfrömmigkeit im Alten Testament [Rezension]
Date
1916-05-01
Page
137 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316857-2316860-2350683--26199-2350769
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bücherschau. 137 die Zeit» in der die israelitische Religion sich so machtvoll entfaltete, dieselbe war wie die Zeit seiner nationalen Größe; sondemL als die nationale Herrlichkeit im Sinken war» da gerade begann die aufsteigende Linie der großen Prophetengestalten. Diese Prophctenrcligion, die in ihrem Schoße den Friedensgedanken trug, kam auch nicht auf, weil Israel „alt und schwach geworden" die kriegerischen Ideale der Vergangenheit verleugnete» sondern diese Religion der Propheten ist die strenge Konsequenz des sittlichen iüottcsgedankens, der schon in Altisrael lebeirdig war und in gerader Linie zu'm Welten- und Menschheitsgotte führen mußte. Daher hat die nationale Religion durch die Propheten nicht „einen furchtbaren Schlag" erhalten, stehen die Propheten zu ihr nicht in einem „schrecklichen Gegensätze"» sondern die Wahrheit ist, daß sie diese Religion durch Sprengung der nationalen Schranken über sich selbst hinausgeführt haben. Das nwchte den zeitgenössischen Politikern wohl „eine entsetzliche Botschaft" sein, aber schon die israelitischen Gottesmänner der alten Zeit hatten diese Botschaft weniger entsetzlich gefunden als den Abfall zu der Änsittlichkert der andern Götter. Ruch sind die Propheten nicht geradezu staatsfeindlich, wie G. meint» gewesen. Sie haben sich nicht „der Notwendigkeit des Staates gerade in den gefahrvollsten Zeiten verschlossen und den staatsklugen Plänen der Politiker nach Kräften Widerstand geleistet". Ihre Politik der Neutralität wäre bei der Lage der Verhältnisse auch vom rein politischen Standpunkt aus vielleicht die beste Politik gewesen. Jesaja steht als staatserhaltender Politiker höher als die Minister des Ahas und des HMia. Die „Plane der Vatertandsfreunde" sind nicht „die einzige Möglichkeit, der Knechtschaft zu entgehen" gewesen. And selbst der scheinbar so staatsgefährliche Ieremia hätte seinem Volk gern die staatliche Existenz ' gerettet und hätte es besser erreicht als die „staatsklugen Herren in Jerusalem". — Ruch das was G. über Israels Nationalcharakter sagt, bedarf teilweise einer Berichtigung. So z. V.» wenn er Israel Schroffheit und Rücksichtslosigkeit gegen alle anderen Völker vorwirft und als Beweis für diesen Charakterzug anführt, daß der König Jona bei seiner religiösen Reform die einst von Salomos „weiser Staatskunst" in Jerusalem errichteten Höhen der fremden Götter zerstören ließ. Das soll eine „blutige Beleidigung" der anderen Völker gewesen sein. „Wir aber begreifen ihren Jubel, als das hochmütige Israel, das sich über seine Brüder so 'hocherhaben dünkte, so furchtbar gestürzt ward." Wir gestehen» daß nicht nur das alte Juda, sondern, daß auch wir heute noch „keine Rhnung davon haben", daß die Beseitigung dieser über dreihundert Jahre vorher in Jerusalem errichteten höhen von fremden Völkern als „blutige Beleidigung" hätte empfunden werden können, und wir glauben nicht, daß darob der Sturz des „hochmütigen" Israel bejubelt wurde. Beweis bleibt G. uns auch schuldig. Auch Israels übermäßigen Stolz, die Betonung seiner „Auserwähltheit" hebt G. wieder stark hervor. Daß Israel sich für ein „auserwähltes Volk" hielt, ist richtig. Aber das taten die anderen Völker nicht minder, die Griechen sogar in noch viel verletzenderer Weise für die anderen. Wo aber hat ein Volk aus seinem Schoße die Vlanner geboren, die, wie G. ja selbst erwähnt» solchen Anspruch von hohem sittlichem Standpunkt aus bekämpften und das angebliche Vorrecht in eine sittliche Aufgabe verwandelten?! — Wir bezweifeln auch» daß sich Israels Charakter in den späteren Jahrhunderten der Abhängigkeit „entscheidend und nicht zu seinem Vorteil" verändert habe, selbst wenn G. solches „verständlich" furdet. And ebensowenig können wir zugeben, daß die Ergebenheit gegen den „fremden König" unbedingt „erheuchelt" war, und daß mantz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.