Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 120

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
Ostjuden [Rezension]
Date
1916-05-01
Page
120 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316857-2316860-2350654--26134-2350752
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

120 Im Deutschen Reich, gehauchte haben ein herzliches, seelsorgerisches Verhältnis zu' ihres Gemeinde; zu predigen brauchen sie als Gelehrte nicht. Wenn der ostjüdische Rabbiner die Zeichen der neuen Zeit nicht bald erkennt» werden Krisen und Kampfe nicht ausbleiben, und die .Entwicklung wird über ihn hinweggehen. Vom Chassidismus handelt A. Lliasberg. Linst eine wohltätige Reaktion gegen den schroffen 'Talmudismus, ist er viel» fach in Wunderglauben und Bildungsfcindschast 'ausgeartet, Dennoch verdient er nicht das seit Gratz gewöhnliche Perdammungsurteil» .schon allein nicht vermöge des sozialen Empfindens seines Führer und der tiefsinnigen Poesie seiner Volksliteratur, Der Aufsatz „Die Ostjuden als Künstler" von vr. K. Schwarz führt bis zu von allbekannten Namen eines Hirzenberg, Pilichowski, Iehudo Epstein, Pasternak, Bernstamm. Antokolski und Glyzenstein; interessanter, weil unbekannter» sind die Hinweise auf das seit Jahrhunderten blühende Kunsthandwerk und die überaus eigenartigen Holzsynagogen. Mitten in das Volksleben hinein führt der Beitrag „Ehe- Scheidung und Tolenkultus" von Laz. Abramson; besonders feinsinnig handelt aber Or. N. Seligmann (Berlin) über die jüdische Kleinstadt. Pen Aebergcrngsprozetz seit dem ersten Einwirken der großen Welt aüf die kleine jüdische Welt schildert Schalem Alerchom („Millionen"); die Zeit nach der russischen Revolution mit ihrer Besinnung auf den Wert und den moralischen Gehalt des Judentums I. L. Perez. Immer höhere Ansprüche stellt der Ostjude an die Kunstform bei, seinen Schriftstellern; immer reicherer Welt- und Lebensinhall strömt auf sie ern und eröffnet ungeahnte Perspektiven für die jüdisch-deutsche Literatur Kein Zweifel — diese wird sich heben, sofern das Jüdisch-Deutsche selbst eine Zukunft hat. Ans bliebe noch übrig, eine Serie von Artikeln zu besprechen, die rein politischer Natur sind und sich mit der Neugestaltung der Verhältnisse in Russisch-Polen und verwandten Problemen befassen. Sie sind für den gegenwärtigen Augenblick die wichtigsten, aber hier mehren sich auch die Meinungsverschiedenhellen. Verdienstvoll ist die Studie von «Dr. I. h irsch (Köln): „Die wirtschaftliche Lage der Juden in Polen," da sie nicht nur statistische Tabellen bringt, sondern die Gründe der wirtschaftlichen Besonderheiten, die so oft anerkannten nationalökonomischen Grundsätzen zu widersprechen scheinen, untersucht und bis auf die Kriegswrrkungen hin verfolgt. Wir begegnen ferner Bevölkerungstatistiken, Bemerkungen über die Parteiungen unter den Ostjuden, das russische Patzwesen. Aber in das Gebiet der hohen Politik gelangen wir erst E M.I.Bodenheimers „Beschränkung der Einwanderung der Ostjnden," Dr. Friedemann „Die Bedeutung der Ostjuden für Deutschland"; und ganz besonders mit Or. Franz Oppenheimers grundsätzlichen Ausführungen über „Nationale Autonomie für dre Ostjuden." Es hieße den .Rahmen einer kurzen Anzeige sprengen, wollte man bei solchen Fragen den eigenen Standpunkt auch nur genauer präzisieren, geschweige begründen. Dennoch haben die Leier dieser Zellschrift vielleicht ein Recht auf wenige Bemerkungen. Der berühmte Grenzschluß gegen die Ostjuden» gegen den auch Bodercheimer kämpft» rst für deutsche Juden nicht diskutierbar; wir erkennen die Voraussetzungen nicht an, von denen aus er gefordert worden ist. Im Lande selbst muß die Befreiung der Ostjuden sich vollziehen, und unter deutscher dzw. österreichischer Führung. Ungeheures ist ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.