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Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 119

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
Ostjuden [Rezension]
Date
1916-05-01
Page
119 (sequence 3)
Language
German
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„Ostjuden" LLjüdischen Idee, nur die Konzentration des jüdischen Volkes in Palästina auf landwirtschaftlicher und industrieller.Grundlage. Ms Sprache kommt für ihn auch nur die hebräische in Betracht, oie den Juden eine ideale heünat gebe, ohne si«. von der türkischen Staatsidee zu trennen. Ob auch (Polen für Palästina eintreten könne, wird nicht deutlich. Eine besonders wertvolle Gruppe von Beiträgen behandelt das Problem der Ostjuden nach der kulturhistorischen und volkerpsychologischen Seite. Dahin rechnen wir.- „Zur Psychologie der Ostjuden* von R. Goldmann, „Der ostjndische Rabbiner" von Lazar Abramson, „Der Chassidismus" von Alex. Eliasberg, die „jüdisch-deutsche Sprache" von heinr. Loewe, „Die jüdische Kleinstadt und die jiddische (!) Literatur" von Raphael Seligmann, „Die Ostjuoen als Künstler" von Karl Schwarz und einige kleinere. Rachum Goldmann» wie immer geistreich, macht doch durch die Gegenüberstellung des individuell übersteigerten und sozial unterwertigen Ehrgefühls bei den Ostjuden die Redaktion stutzig,- in der Tat bleibt fraglich, inwiefern hier nicht die sittlich-religiöse Kraft der jüdischen Erziehung mill>ernd wirke. Waren wirklich Furcht und Verachtung beiderseitig die einzigen Gefühle, mit denen sich Ostjuden und ihre Umgebung gegenüberstünden, der paradiesische Zustand der Juden in Polen wäre nachgerade in sein höllisä>es Gegenteil verkehrt. Goldmann warnt bei solcher Seelenverfassung vor übereilter Emanzipation nach dem Vorbild der westeuropäischen, die die Juden zu beiderseitigem Schaden „unvorbereitet" (?) aus ihrer Ghettowelt herausgenommen und in' die europäische Kulturwelt verpflanzt habe. Wir sehen die Dinge anders an; wir glauben, datz die deutschen Juden für ihre Befreiung nicht nur innerlich vorbereitet waren, sondern unaufhörliche Anstrengungen gemacht hatten, die freilich erst durch eine allgemeine, politische Bewegung von Erfolg gekrönt wurden. Die Ostjüden stehen heute aber mindestens so vor, bereitet an der Pforte der europäischen Kultur (über die wir im Weltkriege allerdings umgelernt haben), wie die Westjuden vor 150 Jahren! Die „jüdisch-deutsche Sprache" hat ihren sachkundigen Beurteiler in Heinrich Loewe. Selbst nach diesen lichtvollen Darlegungen wird zwar unbelehrbare Gehässigkeit fortfahren, in ihr nur eine Verzerrung und Verfälschung der hochdeutschen, womöglich zu Gaunerzwecken, Hu erblicken; wir andern sollten aber die rührende Pietät erkennen, dre hier.urdeutsche Dialekte jener deutschen Gegenden festgehalten hat, aus welchen die Vorfahren der heutigen Ostjuden dereinst verjagt worden sind. Zweifellos ist „der Ostjude durch die jüdisch-deutsche Sprache (nicht jiddisch, oder gar amerikanisch yiddisch zu schreiben!) ein Mitglied des deutschen Sprachkreises und damit Träger und Weiterleitet der Kultur und des Dolksgeistes, die in der deutschen Sprache ihren Ausdruck finden." Auch soll gewiß keine feindselige Zerstörung gegen sie ins Werk gesetzt werden, aber ihr Fortleben ist uns zweifelhaft. Dex Westjude hat sie aufgeben wollen; ich glaube, auch der Ostzude wird sehr bald eben dahin gelangen. Den „ostjüdischen Rabbiner" schildert Lazar Abramsom Ganz das Bild unserer eigenen deutschen Rabbiner — vor 150 tihren! .Er hat vornehmlich „Zweifel in der Anwendung der peiseaesetze zu beheben und Ehescheidungen" (nicht etwa auch Eheschließungenk) vorzunehmen. Im übrigen ist er der Ehrengast der Gemeinde, über der er, vermöge seiner talmudischen Gelehrsamkeit, in unnahbarer Hohe thront; nur wenige --chazjidisch" an»

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