Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Article
- Ostjuden [Rezension]
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 121 (sequence 5)
- Language
- German
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„Ostjrrden" 121 Wonnen, wenn der Ostjude und die anderen unterdrückten Völkerschaften nicht mehr unter die russische Knute zurückkehren,- darum allein, /so wird jüdisches Gefühl bekennen» hätte es einen höheren Sinn gehabt» die Waffen nach Osten zu tragen. Ob! aber die nationale Autonomie die Form sein wird, in der sich jene Befreiung und Aeberführnng in geordnete Rechtsverhältnisse vollziehen' wird, wissen wir nicht. Roch erscheint es uns zweifelhaft, ob das Rationalitätenprrnzip gemäß dem österreichischen Staatsmann Renner auf Juden und Polen einfach übertragbar sei. Wir verstehen; es soll sich keineswegs um eine staatliche Autonomie handeln, nicht um eine Art polnisch-jüdischer Krone; es handelt sich um eine kulturelle Autonomie mit jüdischer Matrikelführung und Wählerkurie zur gesetzlichen Sicherstellung von Sprache, Schule und Kult. Dieses Ziel wünschen recht viele deutsche Juden; und darin begegnen sie sich mit Dr. Oppenheimer. Es fragt sich aber, ob zu diesem Ziele nicht auch innere Autonomie der Gemeinden neben politischer Gleichberechtigung führen könnte. Wir wollen gern von unserm Standpunkt als deutsche Huden absehen; denn mroere Verhältnisse bedingen auch andere ^Natznahnren. Aber das österreichische Ratio nalitateup rinzip hängt an der Scholle, an der alten, heimischen Erde, als dem Ürgrunde der Autonomie jedweder Rationalität. Daran fehlt es den polnischen Juden; und diesen Anspruch gibt auch nicht die in Ghettos und steinerne Häuser gepferchte Masse» sondern eben nur das Land. Aber alle diese Bedenken treten zurück gegen den Dank, den sich die beitragleistenden Autoren und die Redaktion der Süddeutschen Monatshefte um die Sache der Ostjuden erworben haben; und dieser Dank ist am größten gegen diejenigen, die nicht durch Wort und Schrift allem, sondern auch durch die Tat zu helfen bereit sind.