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Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 116

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
Kämpfer des Judentums
Date
1916-05-01
Page
116 (sequence 3)
Language
German
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116 Im Deutschen Reich. Bekannten. Er ist Feldwebeldieusttuer bei einem Kriegsgefangenen» Bataillon im Westen. Anter vielem anderen erzählt er mir, und sein (Besicht strahlt dabei vor innerer Inende und Genugtuung: „Bor einigen Tagen Habe ich den jüdischen russischen Gefangenen zu. einem Gottesdiemt verholfen. Alle anderen Hatten schon Gottes, dicnste gehabt, nur'Die jüdischen Kriegsgefangenen nicht. Da kam mir gerade der Feldrabbiner recht, der uns Soldaten Gottesdienst hielt. .Ich trug dem Kompagnieführer die Sache vor und sagte ihm, daß meine Juden auch einmal Gottesdienst haben wollten und jetzt biete sich Gelegenheit dazu." Dieses „meine Juden", ich weiß nicht, wie seltsam es mich berührte, ich werde es nie vergessen. Es war eine große Freude in mir und die Hoffnung stieg in mir auf, daß die Zeiten vorüber seien, wo wir auf unsere Brüder im Osten herabsahen als auf die weniger Kultivierten, wie wenn es ihre eigene Schuld gewesen Lväre; die Hoffnung aber auch, daß die Zeiten der Selbsterniedrigung vorüber seien, in denen mancher nicht den Mut besaß, seine Glaubensgemeinschaft offen vor der Welt zu bekennen, mancher sogar sie verlcugnete. Nach dem Kriege werden wir Sorge dafür tragen, daß das Interesse au der jüdischen Sache, an den Lebensfragen des Irrdentums, das in dieser großen Zeit erwacht ist, lebeirdrg bleibe und allgemeines werde, hier werden' unsere Bestrebungen zusammenfallen mit denen der jüdischen Vereine, die durch unermüdliche Tätigkeit schon lange vor dem Kriege den Weg gebahnt haben, der zu. unserem Ziele führt, die trotz aller Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten stets unverdrossen in diesem Sinne gewirkt haben. Wir werden ihnen die Arbeit, wesentlich erleichtern und mit ihnen allen Zusammenarbeiten, um den jüdischen Gedanken zu fördern und zu verbreiten und ihm Anerkennung zu verschaffen innerhalb des Judentums und nach außen hin. Ja, auch im Kampfe gegen die äußeren Feinde des Judentums werden unsere Vereine in den aus dem Felde Heim, gekehrten eine Schar von Streitern finden, wie sie sie vorher nicht besessen haben und für sich wohl kaum hätten gewinnen können. Hier draußen gibt es keinen Unterschied zwischen Iirden Und Nichtjuden, der Geist der Kameradschaft waltet und beseelt unser ganzes Tun und Lassen, beherrscht unser Denken urrd Fühlen. Sollten wir dann spater in der Heimat Leute antreffen, die uns an feinden und zurücksetzen, weil wir uns zum Judentum bekennen, und nur deshalb, so wäre das zwar eine bittere Enttäuschung für uns; diese Enttäuschung würde uns aber nicht von dem ein» geschlagenen Wege abhalten, sondern uns noch mehr bestärken in Hern Vorsätze, am Judentum festzuhalten und es gegen seine Hasser zu verteidigen. Die den Kampf gegen Deutschlmrds Feinds gekämpft, die nicht erlahmt sind Dag urrd flacht, die gefochten und gerungen Haben für heilige Ideale, sie werden auch jenen Kampf nicht scheuen, der dann auch um Ideale geht» um die Ideale des Jude nt ums, um Recht und Gerechtigkeit für das Judentum. Festwurzelnd im Judentum würden wir diesen Kampf, wenn er uns wirklich bevorstehen sollte» aufnehmen mit geistigen Waffen, die dann gut geschliffen sind. Möge Gott einen solchen Kampf verhüten; möge unseren Gegnern -der Krieg die Augen geöffnet und ihnen die oft Verkannten in ihrer wahren Gestalt gezeigt haben! Nicht ein Kampfruf soll es sein, mit dem ich zum Streits aufrufen^vill; sehnen wir uns ja doch alle nach Ruhe und Frieden. Nur das will ich gesagt baden» daß uns um unsere Zukunft nicht bange zu sein braucht, daß wir innerlich gefestigt im Glauben aus dem Kriege Hervorgehen werden, den jüdischen Gemeinsam

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