Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Article
- Kämpfer des Judentums
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 115 (sequence 2)
- Language
- German
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Kämpfer des Judentums. US kwhl Uiemknd behaupten. Wer ein großer Seil der Fugend hat sich an den Bestrebungen nicht mit dem Eifer und Fnteresse beteiligtdie -sie für viele airdere Bestrebungen übrig hatte. Line Zeitlang war es wohl die zionistisch? Bewegung» dis auch den Geist der Jugend mächtig ergriff und gerade, bei ihr begeisterte Anhänger fand. Wer allmählich flaute auch das Interesse am Judentum bei vielen wieder ab. Wie dem religiösen, so starrd die Jugend auch dem geistigen Leben des Judentums fern. Bur 'ein so gewaltiges Erlebnis wie dieser Krieg, der gleich einem elementaren Ereignis reinigend und Läuternd über uns hereingebrochen ist, konnte hier gründlich .Wandel schaffen. So ist denn aus Tod und Zerstörung, aus Leid und Schmerz, aus Kampf und Bot als herrliche Blüte religiöses Empfinden aufgegangen, vertieft und verinnerlicht worden wie nie zuvor. „Das Alte stürzt» es ändert sich die Zeit» und neues Leben blüht aus den Ruinen —" diese Dichterworte haben sich hier in religiöser Deutung erfüllt« Diese Wandlung ist nicht vorübergehendsie wird nicht aufhörenwenn die Stunde der Gefahr Überstunden ist und wieder Buhe und Frieden bei uns Einkehr halten, .sondern diese Wandlung in unserem religiösen Empfinden ist begründet für die Dauer unserer Tage. Wir hegen hier draußen die gewiß berechtigte Hoffnung, daß jene .Wandlung auch bei den in der Heimat Zurückgebliebenen vor sich gegangen ist, daß auch sie durch die Wucht der Tatsachen in ihrem Glauben bestärkt bzw. zürn Glauben zurückgeführt wurden. Sollte es aber spater doch Leute in unserer Mitte geben, an deren Empfinden der Krieg spurlos vorübergegangen ist, dann werden wir, die wir uns \vx Kriege den vertieften und verinnerlichten Glauben errungen -haben, austreten und ihnen künden von der göttlichen Hilfe, die sich an zins offenbart hat» künden auch von oem Gottvertrauen, das über die schwersten Stunden hinweghilft und uns einporhebt über die Sorgen des Alltags. Bicht daß man am Buchstaben des Gesetzes haste, sondern daß man den wahren Gehalt unserer Lehre in sich aufnebme, nicht daß man sich in Kleinigkeiten verliere, sondern den Blick auf das große Ganze im Auge behalte, das werden die aus dem Felde ihren Brüdern in der Heimat zu Herzen führen und .werden ihnen auf diese Weise Führer und Lehrer fein. Führer und Lehrer werden sie aber vor allem den Jüngeren fein. Die Schuld, durch die sie selbst in ihrer Jugend von der jüdischen Religion abgelenkt und ihr entfremdet wurden, werden fic nicht auf sich laden, sondern gegen Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit, gegen Gottlosigkeit und Selbstüberhebung werden sie austreten. Durchdrungen von dem Geiste unserer heiligen Religion werden sie Streiter und Kämpfer für diese sein. Wer damit ist die Mission der Heimkehrenden noch nicht erschöpft. - Streiter und Kämpfer werden sie auch sein müssen gegen Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit an der jüdischen Sache. Daß sie dazu fähig geworden sind, zeigt sich hier draußen von Tag zu Tag deutlicher. .Wie sind auf einmal Herz und Geist den jüdischen Bestrebungen zugewandt; mit welcher Freude empfangen wir Zeitungen und Zeitschriften» die uns vom geistigen Leben oes Judentums künden. Auch unsere Anschauungen» die das Gesamtjudentum betreffen» find andere geworden als vor dem Kriege wo gar mancher sich seine Glaubensbrüder gern vom Lckibe hielr und nichts mit ihnen gemein haben wollte. Und gar» wenn es sich um Ostjuden handeüe! Und jetzt? Ein kleines Erlebnis wird deutlicher .sprechen als viele Worte: Zufällig treffe ich einen alle»