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Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 113

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
Gustav Freytag und seine Beziehungen zu Juden und Judentum
Date
1916-05-01
Page
113 (sequence 6)
Language
German
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Gustav Frehtag und seine Beziehungen zu Juden und Judentum. 113 Wissenschaft. Man könne von dem Verfasser, einem Manne von hervorragender wissenschaftlicher Gediegenheit und Ausdauer, nur sehr Tüchtiges erwarten. Besonders dankbar würden ihm die Weinbergsbesitzer sein, denn ein übelbeleumdetes Mitglied der Phylloxeriden sei auch die Reblaus. „Die ganze große Sippschaft ist eine nichtswürdige Bande, welche die Fortpflanzung ihrer Rasse auf unerhörte Weise so besorgt, daß sie durch mehrere Generationen jede männliche Mitwirkung beim Fortpflanzen verschmäht. Dem denkenden Aienschenfreuird kwnni nicht zweifelhaft sein, daß diese Gewohnheit die geheime Ursache der Nichtswürdigkeit ist, welche der Reblaus zur Schande gereicht." Ludwig Dreyfus war oft Gast im geselligen Hause Freytags und gehörte gewissermaßen mit zur Familie. Der Dichter ergötzte sich auch an den politischen Gesprächen des Naturforschers, der nebenbei ein gewaltiger Politiker vor dem Herrn war. Wenn auch manchmal ihre Ansichten entgegengesetzte waren und die Debatte zuweilen eine sehr hitzige wurde, so kam es doch zwischen beiden Freunden nie zu einem ernsten Streite» der auch nur «inen Tag eine Entfrenrdung hervorgerufen hätte. Bei aller Sympathie des Dreyfus für Freytag sagte er ihm manchmal in seiner unumwundener: Weise gründlich seine Meinung, doch im großen und ganzen hielt er ihn, wie Freytag in einem Briefe aus Wiesbaden vom 21. März 1890 scherzhaft schreibt, für „einen Sterngucker, der allerlei aus dem Himmel herausdeuten kann." Welche Hochachtung der Dichter vor dem israelitischen Glauben hegte, beweist die Tatsache, daß, als er sich am 10. März 1891 mit seiner bereits genannten dritten Frau, Anna Strakosch, der geschiedenen Gattin des bekannten Rezitators Alexander Strakosch, vermählte, er das Anerbieten feiner Gattin, die Jüdin war, den Glauben ihrer Väter abzuschwören und die Religion ihres Mannes anzunehmen, aufs entschiedenste zurückwies. Jeder müsse, meinte er, nach seiner Fasson selig werden. Nie und nimmer hätte er es zugegeben, daß man eine Felonie gegen die eigene Religion verüben dürfe, selbst wenn man einem geliebten Manne die Hand zum Ehebunde reiche. Ebenso ließ er die Kinder, die ihm Frau ,Zlse" in die Ehe brachte, in der israelitischen Religion -erziehen. Den Israeliten Strakosch selbst förderte er anläßlich der Vorträge, die dieser Künstler in Wiesbaden und anderswo hielt, aufs wirksamste. Er nahm sich des alternden Mannes an und war bemüht, Publikum und Presse für ihn zu gewinnen. Sehr freundlich gestalteten sich die Beziehungen Gustav Freytags zu dem berühmten Juristen, Hof- und Gerichtsadvokaten Or. Neuda in Wien, der der Vertreter der Frau Anna

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