Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Article
- Gustav Freytag und seine Beziehungen zu Juden und Judentum
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 114 (sequence 7)
- Language
- German
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Am Deutschen Reich« 1l» Strakosch in ihrem Ehescheidungsprozeß gegen ihren 'Gatten Alexander Strakosch war. In Briefen an seine „Ilse" unterläßt er es nickt die außerordentliche Gewandtheit und Zuverlässig, keit des genannten Advokaten zu rühmen. Mich selbst hat Gustav Freytag, von dem ich viele sehr interessante Briefe be. sitze, in liebenswürdiger und wohlwollender Weise gefördert. m Kämpfer des Judentums. Non dem Kriegsfreiwilligen Albert Froh mann beim Etappen«» Train der 6. Armee. Als wir voll Begeisterung für die heilige Sache des Vaterlandes in den Kampf zogen» hatten nur die wenigsten von uns jungen Leuten den Ernst des Lebens richtig kennengelernt. Wenn Gott es fügt, daß wir nach vollbrachter Tat die Heimat wieder» sehen, kehren wir aber zurück als Männer, denen in Kampf und Todesnot der Sinn des Lebens aufgegangcn ist. Wir kehren heim als Deutsche» die wissen, was das Vaterland ihnen ist und bedeutet; denn 'Tag für Tag erkämpfen wir es uns neu. Heimkehren werden wir aber auch als Juden, die wissen, was die jüdische Religion und die jüdische Gemeinschaft ihnen ist und bedeutet, als Juden, die ihren Gott und ihren Glauben tief im Herzen tragen; denn im blutigen Ringen, im Donner der Schlachten» in der Stunde der Gefahr haben wir Gott und Glauben wiedergefunden. Als Juden auch, in denen das Interesse an allen großen, das Judentum bewegenden Fragen, erwacht und in denen der Wunsch rege geworden ist, an der Gestaltung dieser Lebensfragen selbst tätigen Anteil zu nehmen. Richt ableugnen will ich die Bedeutung des Religionsunterrichts, des Iugcndgottesdrenstes, der Vorträge in den jüdischen Vereinigungen, und der anderen Veranstaltungen, durch die die Fugend zur Pflege -religiösen Sinnes und zur Betätigung jüdischen Lebens ungehalten oder wenigstens vor völliger Unkenntnis und sogar Mißachtung ihres Glaubens geschützt werden solle, doch niemand wird behaupten wollen, daß durch diese Maßnahmen der gewünschte Zweck bei gar vielen erreicht und ein nachhaltiges Ergebnis gezeitigt worden ist. Es fehlten leider zu ‘ oft die inneren Voraussetzungen, die Erfolg gewährleisten konnten» es fehlte vor allem die jüdische Erziehung in Familie und Haus, die den Boden hatte vorbererten und den Grund hatte schaffen müssen» auf dem dann Lehrer und Redner» Schule und Verein werterbauen konnten, lieber dem Streben nach allgemeiner Bildung vergaß man die religiöse und jüdische, vergaß man, was man dem Glauben seiner Vater schuldig war. So kam es, daß viel aufopferungsvolle Arbeit umsonst unternommen wurde, daß die Jugend zum großen Teil gleichgültig den Interessen der jüdischen Genreinschaft gegenüber blred. Daß es an jüdischen Vereinigungen, an;Echen Zeitungen und Zertschristen fehllekönnte