Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Article
- Gustav Freytag und seine Beziehungen zu Juden und Judentum
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 111 (sequence 4)
- Language
- German
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Gustav Frehtag und sein« Beziehungen zu Juden und Judentum. Hl beiter auf jedem Gebiet des realen und i deale« Lebens ihrer deutschen Mitbürger geworden. -Zahllos seien die Namen der Iud«-,r, die als Gelehrte und Künstler, als Denker und große Geschäftsleute oder als einfache Würger durch vaterländische Hingabe und menschenfreundliche Tätigkeit sich hervorgetan hätten. Man dürfe behaupten, daß jeder Fortschritt, den die Gesetzgebung gemacht habe, bis den-Israeliten der Vollbesitz bürgerlicher Rechte gesichert worden sei, auch die Einverleibung ihres Geistes und Gemütes in das deutsche Leben vervollständigt habe. Man vergleiche die Gegenwart mit der jüngsten Vergangenheit, in der Heine und Börne gelebt haben. Seitdem sei nur ein Menschenalter vergangen, aber der Unterschied in politischem, sittlichem und mannhaftem Patriotismus zwischen jenen starken Talenten und vielen jetzt lebenden israelitischen Schriftstellern sei,sehr groß. Den Antisemitismus nennt er eine Gemütskrankheit, Fiebern und Phantasieren vergleichbar, die das Urteil zerrütten und leidenschaftlichen Haß erregen. Die antisemitische« Schreier und Ankläger unserer Tage gleichen in vielen Einzelheiten denen, die in England zur Zeit Karls II. die Menge bis nahe an den Wahnsinn gebracht und Richter und Geschworene in Angst um das eigene Leben versetzt haben. Damals seien nicht die Juden, sondern die Katholiken als Feinde des Volkes verklagt und durch falsche Zeugen auf das Schafott gebracht worden. Wahrhaft erhebend sind die Schlußworte der Pfingstbetrrchtung, also lautend: „Der Israelit soll derselben heilige« Lehre von der Liebe vertrauen, die schon vor fast 2000 Jahren den Samariter und Juden als Bruder verkündete, die seitdem das Menschengeschlecht aus Völkermord und geistiger Knechtschaft höher und höher hervorhob, um das Dasein aller Staatsgenossen sicherer, tüchtiger und schöner zu gestalten. Diese Botschaft aus Judäa wird auch den Haß zwischen Konfessionen und Stammbäumen so überwinden, daß unsere Nachkommen desselben dereinst lächelnd wie einer alten geschichtlichen Saget gedenken." Mir gegenüber hat Freytag, als ich ihn anläßlich eines Vortrages Anfang der Sü'er Jahre des vorigen Jahrhunderts in seinem reizenden Heim in Wiesbaden auffuchte, die Bemerkung gemacht, daß die Antisemiten schwerlich die Gemüter der Deutschen von Grund auf hätten aufregen können, wenn der Altreichskanzler diese nicht als Sturmböck« gegen den Liberalismus, den er in den Juden am meisten vertreten glaubte, benutzt hätte. Er nannte die Stöcker, Ahlwardt, Liebermann v. Tonnenberg und Genossen die „Golem 8", die nur sich bewegen, leben und hantieren, solange der Flame Bismarck? ihnen