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Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 107

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
Gibt es eine "arische" Rasse?
Date
1916-05-01
Page
107 (sequence 4)
Language
German
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Gibt es eine „arische" Rasse? 107 Söft' das Phantom der Rassetheorie für die echte Wissenschaft gar keinen realen Boden unter den Füßen hat. Line Eigenschaft, die es gar nicht gibt, also „arische Rasse", kann auch kein Mensch besitzen. Es gibt eine germanische Rasse, es gibt meinethalben auch eine slavische Rasse, obwohl schwer zu sagen sein wird, welche von den zahlreichen Typen der slavischen Sprachgemeinschaft nun die echte slavische Rasse darstellen soll. Es gibt auch eine englische Rasse, und ich habe zum Schluß auch nichts dagegen, wenn man von einer jüdischen Rasse spricht; aber immer muß man sich klar darüber sein, daß es sich bei allen diesen „Rassen" nur um Kultur-Gemeinschaften handelt, die nur da sich erhalten, wo sie in größerer Zahl unter ihren eigenartigen Bedingungen weiter bestehen können. Man kann also von einer jüdischen Rasse nur da etwa reden, wo große Anhäufungen von Juden unter sich leben, wie in Polen oder in den Iudenvierteln von London und New Port, die «ine gemeinsame Sprache (das Jiddische), ein« eigenartige Kultur u. dergl. mehr haben. Aber von einer jüdischen oder wie man gern zu sagen pflegt „semitischen" Rasse in den Kulturländern Europas zu sprechen, wo der Prozentsatz der Juden gegenüber der anderen Bevölkerung nur ein geringer ist, wo diese Juden die gleiche Sprache reden wie das Volk, dessen Staat sie angehören, wo sie sich in ihren Sitten und Gebräuchen von den übrigen Landesbewohnern nicht unterscheiden ... da von einer jüdischen oder semitischen Rasse reden, ist ein Unding. Gewiß haben viele Juden noch manche Eigenarten aus ihrer früheren Abgeschlossenheit zurückbehalten, die sie erst im Laufe der Zeit abstreifen werden. Aber das sind keine rasseuhaften Eigenschaften, sondern kulturelle Besonderheiten, die in der alten Umgebung wohl berechtigt waren, in der neuen Umgebung aber zum Untergang bestimmt sind. Bei diesen kulturellen Besonderheiten, die wir zumal unter den Ostjuden gerade in dieser Kriegszeit zu beobachten Gelegenheit haben, ist aber manche, die nicht einmal jüdisch ist, sondern ein Ueberbleibsel aus der mittelalterlichen deutschen Kulturstufe vorstellt, das die vertriebenen Juden bewahrt haben, während di« Deutschen in der Entwicklung einen anderen Weg gegangen sind. Wenn also, wie das auch in dem eingangs erwähnten Aussatz betorrt wird, die angebliche Rasseverwandtschaft in dem Weltbrand versagt hat, so kann uns das nach den vorangehenden Ausführungen nicht weiter wundern. Etwas, das nur in der Phantasie von Schwärmern und berechnenden Strebern vorhanden ist, kann nicht in die Erscheinung treten, wenn di« Probe auf das Exempel gemacht wird: eine arische, germanische, slavische, lateinisch« „Rasse" (im Sinne von Blutsverwandtschast) gibt «8 heute jedenfalls nicht mehr oder hat es ni«

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