Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 108

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
Gibt es eine "arische" Rasse?
Date
1916-05-01
Page
108 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316857-2316860-2350651--26116-2350740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

108 Fm Deutschen Reich« gegeben. Alle diese „Rassen" sind Abstraktionen aus sprachlichen Tatsachen, der Zusammengehörigkeit gewisser Sprache» und ihrer Abstammung von einer gemeinsamen Wurzel. Sprachverwandtschaft und Rassenzugehörigkeit sind aber ganz getrennte Dinge (man denke an die Neger in Amerika, dis nur englisch reden, oder an diejenigen auf Guadeloupe, di« französisch sprechen). Das sprachliche Band hat sich vielfach (wenn auch nicht ausschließlich) als das stärkere erwiesen, weil es meist -mit kultureller UebereinstiMmung Hand in Hand geht, und Gedanken sowie Gefühle durch die gleiche Sprache wesentlich in die gleiche Richtung gelenkt werden. So erklärt sich die Parteinahme der Bereinigten Staaten für England, soweit das nur englisch sprechende Element in Betracht kommt; ferner die Sympathien der Westschweizer für die Franzosen, die der Ostschweizer für die deutsche Sache, lieber allen Rassen» und sprachlichen Einflüssen aber stehen politische und wirtschaftliche Interessen bei den Völkern; durch sie werden Bündnisse hervor» gerusen oder gelöst. Innerhalb desselben Volkes treten in gleicher Weise politische, konfessionelle, wirtschaftliche und sonstige Rücksichten gegenüber dem Staatsinteresse in den Hintergrund, wenn es gilt, den heimischen Boden und die angestammte Kultur gegen fremde Habgier zu schützen; auch hier spielen angebliche Rassengegensätze, die in Europa ja gar nicht in scharfen Ausprägungen vorliegen, keine Rolle*) * Gustav Freytag und seine Beziehungen zu Juden und Judentum. Don Dr. Adolph Kohut. Wie man bei dem Fürsten Bismarck in seiner Stellung Zu Juden und Judentum eine Entwicklung annehmen muß, indem er als Lenker der deutschen Geschicke in seinen politischen *) Zur weiteren Orientierung über die' berührten Fragen verweise ich auf meine Schrift .Kultur, Ausbreitung und Herkunft der Indogermanen", Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1913, auf die Broschüre „Indogermanen und Germanen", Max Nie» Metzer, Halle 1914, ferner auf den Aufsatz „Das Indogermanenproblem in der Zeitschrift „Sokrates", Jahrgang 1915. Die Rassefrage in bezug auf den Weltkrieg habe ich mehrfach! in der «Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums" (1914), in der «Internationalen Rundschau" (1915) und in der »ckisvüs pohtiquq Internationale“ (Jahrgang 1915) behandelt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.