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Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 103

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
Die wirtschaftliche Entwicklung der Juden
Date
1916-05-01
Page
103 (sequence 6)
Language
German
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Die wirtschaftliche Entwicklung der Juden usw. 103 im Osten, hauptsächlich in Polen. Dort soll in diesen Tagen das Mittelalter aufhören und die Neuzeit beginnen. Dort wohnen jene Juden, die ein dort weilender Feldrabbiner „ungeschliffene Edelsteine" genannt hat. Dort wohnen jene echten Juden, die äußerlich verkrümmt und verbogen auf Schacher und Wucher seit Jahrhunderten angewiesen und des» halb auch moralisch infiziert, doch einen Sinn und ein tiefes Verständnis für wahrhafte Menschlichkeit sich bewahrt haben, wie es in der gteichgeschichteten, andersgläubigen Umgebung nicht anzutreffen ist. Verpflanzt diese Juden, die die Genüsse des Lebens noch nicht kennen, mit euren Millionen , in die Großstädte, nach New Port, London u. a. oder laßt sie selbst in neugeordnetem eigenem Lande die Großstädte beziehen, wo sie noch mehr denn vorher zu einer verzweifelten Konkurrenz gezwungen sein werden, und sie sind in dem Grade, wie sie emanzipiert werden, für die Zukunft verloren, wie jene deutschen Juden, die unmittelbar aus dem Ghetto in die Großstadt zogen. Diese Menschen müssen erst gesunden, und wenn unter diesem Zwang die jetzige Generation zugrunde geht, wird die nächste um so gesunder werden. Diese Juden müssen, so wollen wir James Simon verstehen, auf den gesunden Boden einer auf genügsamer Grundlage aufgebauten Bauernbevölkerung zurückgeführt werden — diese können dahin zurückgeführt werden. In Deutschland und in andern Ländern ist alles, was wir in dieser Beziehung tun, vergebene Liebesmühe, eine Nückverpflanzung gar ein sinnloses Unternehmen. Aber diese Leute, denen die Vorschriften des Gesetzes bis jetzt etwas Selbstverständliches sind, die „Schemita"— und,,Iobel"—- diese sozialen Fundamentalbestimmungen einer selbstgenügsamen Ackerbaubevölkerung, theoretisch anerkennen und in neuer Form zur Verwirklichung zuließen, diese Menschen, deren Körper gesunden muß. und deren moralischer Grundkern von der Kruste der Jahrhunderte gereinigt werden muß, die können zu einem neuen Leben hingeführt, die müssen zu einer Gesundung in ihrem Interesse und im Interesse des Gesamtjudentums gezwungen werden, und die kann nur gedeihen bei einer Landbevölkerung. Also nicht eine ,Empfehlung", eine Forderung, ein „Muß" ist es, das seiner Verwirklichung harrt. Wie einst von der babylonischen Bauernbevölkerung zur Zeit eines allgemeinen Niederganges, so wird dann hier von den östlichen 'Juden, den wahren „Talmudbauern", die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft neu erblühen. Vielleicht, daß in dieser Frage selbst die separatistischsten Bestrebungen, die Alliance, dertzilfsverein, der Zionismus u. a. sich einigen könnten zur Erreichung eines gemeinsamen großen Zieles: Menschen, die drauf und dran sind — wie wir westliche Juden —, dem modernen Götzentum zu verfallen, wieder zurückzuführen zur Verehrung

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