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Im deutschen Reich · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. 77

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Article
Reden, die in der Duma über die Lage der jüdischen Bevölkerung i Russland gehalten wurden
Date
1916-03-01
Page
77 (sequence 3)
Language
German
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Sieben, Mc in der 5>uma usw. c§ war. In dieser Beziehung steht man auf bcm Standpunkte herj Bartet, der Rechten und flircl>i*rt, daß die Inden, nacbdem sie Proben ihrer V-.rerlandslicbc geliefert haben, auch ^vechtsgleichbcit beanspruchen a-erdeu. Bber es gibt nach andere Beweggründe. In langen Mampfen wechseln Erfolge mit Mißerfolgen ab, und da zweifellos für Mißerfolge Menschen verantwortlich sein müssen, muß man die Verantwortlichen suchen. Da ist es bequem, einen Sündcubock seit langer Zeit zur Hand zu haben: Das bst der Jude, dem man alle Verbrechen znschiebcn tarnt,“ Run zahlt Fricdmann auf, wie man die Juden beschuldigt hat» das Gold in Särgen oder in dem Innern von Gänsen nach Deutschland geschafft zu haben, daß ferner die Inden die Telephone zerstört hatten und dergleichen mehr, 'sehnliche Märchen hätten linter behördlichem Schuh und durch behördliche Verbreitung immer mächtigere Verbreitung erhalten. Dann sagt der Redner wörtlich: „Gegen die Juden, wurde eine ganze Reche ganz unglaublicher Maßnahmen verfügt, wie solche bisher .in der -Weltgeschichte in ihrer Grausamkeit unerhört waren. Die jüdische Bevölkerung wurde außerhalb des Gesetzes gestellt. Zunächst wurden Massen von Juden aus vielen Orten ausgctrieben. Solche A u s t r e i b u n g e n fanden im Königreich Polen, MhchineLz, Rowo Alerandria» Grodisk, Piacctschno, ^ticrncwice, Sochatschewo, Girarvow, Low'ttsch, Bolinow uird vielen anderen. Städteil statt — später auch in Kurland, Livland, Wolhpnieir, Podolien und anderen Provinzen. Sine halbe Million Menschen sind dadurch dcnr Elend und der Obdachlosigkeit verfallen. Wer wie ich Zeuge der Austreibungen in Polen war, wird dies nie wieder vergessen. Jüdische Soldaten, die durch polnische Städte marschieren mußten, wohnten den Austreibungen ihrer Frauen und Kinder bei und haben dabei noch weit Schlimmeres gesehen. Manche Juden wurden in Viehwagen oder mit Frachtbriefen in Güterwagen fortgeschafft. Ein Zug mit 110 solcher Wagen, die mit lauter ausgetriebenen Juden gefüllt waren, wurde mehrere Tage in einem Bahnhof eingestellt. Man nahm Geiseln, nicht etwa von den Feinden, sondern aus der Mitte der eigenen Untertanen, der eigenen Mitbürger! Sie sollten es büßen, 'wenn den Armeen in den bisherigen Wohnorten jener Inden feindlich begegnet wurde? Das Unglück der Juden hat sich auch darauf noch nicht beschränkt; cs kam noch schlnnmer durch Pogrome, Plünderungen, Gewalttätigkeiten und Schändungen. Ein Führer der Oppositionspartei drückte sich in der ersten Zeit des Krieges wie folgt aus: „Wir nähern uns der Zeit Ferdb» nands und Isabcllas“; ich aber sage Ihnen: Jene Zeit wurde weit übertroffen. Die spanischen Verfolgungen fanDen vor 400 Jahren statt und die Juden erinnern sich ihrer noch nach 4 Jahrhunderten, aber jene Verfolgungen waren ein Scherz im Vergleich zu dem, was jetzt hier verübt wird. Damals floß nicht wahrend der Verbannung der Juden das Blut der Juden auf spanischen Schlachtfeld erm Fetzt verjagt ntan eine halbe Million Juden aus ihrer Heimat, währerid eine andere halbe Million Juden auf den Schlachtfeldern zur Verteidigung des Vaterlandes kämpft. In der russischen Gesellschaft und selbst im Heere geschehen außerdem, die noch nie dagewesenen abscheulichsten Verleumdungen, daß man ein ganzes Volk des Hochverrats beschuldigt. Eine so schändliche Verleumdung kann man nur gegen Leute wagen, Oie des Rechtsschutzes gänzlich entbehren." „Meine Herren von der Duma! Ja, wir haben kein Recht, man verfolgt uns und wir sind sehr unglücklich, aber teit kenneln die! Quelle unseres Anheils, es kommt von jener Seite, von jenen Bänken Nicht das russische Volk, die rnffirfche Regierung ist es, die uns unterdrückt, Darum ist es nicht: erstaunlich, wenn wjx unser Los tnU dem,

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