Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Reden, die in der Duma über die Lage der jüdischen Bevölkerung i Russland gehalten wurden
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 76 (sequence 2)
- Language
- German
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76 Im Deutschen Reich. jüdische Bevölkerung, did schwere Kriegslasten zu tragen die zu erleichtern inan eigentlich verpflichtet war. Mindestens hätte mau. die Erwartung der in: Heere stehenden Juden rechtfertigen müssen, daß in ihrer Rbweseuheit vom Hause ihre -Frauen ilud kinbcr nicht jeder Verfolgung schutzlos preiSgegebcn sein würden, ^lder was sahen wir? Seit dem Kriegsbcginn ist die Anterdrückung der jüdischen Bevölkerung nicht geringen geworden; die Bedrückungen haben nicht aufgehört. sondern sich im Gegenteil verschlimmert." Frrcvmann berichtet dabei über fast unglaubliche, traurige Einzekfälle und sagt z. B.: „So wurde ein verwundeter Jude, der im Kriege fast zum Krüppel geworden, aus der Stadt ausgewiesen, in der er Heilung suchte. Das kauu man doch nur als eine Schändlichkeit bezeichnen. Die Verordnung, daß die Einziehung eines Handwerkers zum Heere für seine Familie den Verlust des NufcuLhaltsrechtcs zur Folge hat, zeigt genügend, wie verbesserungsbedürftig unsere Gesetzgebung ist. Ich muß dabei auch an die Behandlung der Presse denken. Kürzlich ist durch Mrnisterialverordnung das Erscheinen aller hebräischen Zeitschriften verboten worden,'so daß die Mehrheit der Juchen der Möglichkeit beraubt ist, durch ihre Zeitschriften Neuigkeiten zu erfahren. (Stimmen von rechts: „Sie können das Neue in russischer Sprache lesen!) Fried mann: „Nein, alle können nicht Russisches lesen; eine große Rarzahl Juden kann nur Hebräisches lesen/ „Das Zahlenverhältnis ist als ein Naturgesetz vorhanden und kann nicht umgangen werden; die jüdische Jugend soll ein Jahr nach dem anderen das Land verlassen und an die Pforten fremder Hochschulen klopfen. Im Jahre 1914 konnten sie es nicht; nun gut, was hat man für sie getan, um' sie irgendwo w'chilen studierenzu lassen? Nichts, gar nichts — ach ja, die Kinder der im Kriege Gefallenen erhielten o-as Vorrecht, zuerst untergebracht zu werden» aber nur nach der geduldeten Verhältniszahl (die Juden nur 2 °/o)- Die diese Zahlengrenze Aebersteigenden fanden keinen Platz. Ruch während des russisch-japanischen Krieges hatte man das Vorrecht gewahrt, aber damals ohne Beschränkung der Zahl. Ein Jude konnte bisher nur in eine II n t e r r i ch t s stellung gelangen, wenn er in ollen Zweigen der Prüfung das Höchste leistete, oder bei der Loszichung eine gute Nummer gewann, später nur, wenn sein Vater gefallen oder sein Bruder verwundet war. Zu solchen Mitteln nahm die Sch u l v e r w a l t u n g ihre Zuflucht in der Iudenfrage. Und was haben wir von dem Obersten der Verwaltung gehört? Er hat nur und zwar zu spat für Polen. Gerechtigkeit zugelassen/ Friedmann äußert sich weiter: „Hier in der Duma des Reiches hat man sich mit flammenden Worten für Polen verwendet» und das mit Recht. Polen leidet, mehr als alte anderen Landesteile. Aber man sollte nicht vergessen, daß in Polen und sonstigen Provinzen auch das Blut anderer Völkerschaften vergossen wird, auch jüdisches Blut rinnt und unglücklicherweise nicht nur durch Feindesland, nicht nur im Kriege, sondern nur bei Gelegenheit des Krieges und selbst ohne jeden Einlaß. Jetzt, wo hier die Duma mit Muße arbeitet, wahrend die Kanonen donnern, wenden sich meine klugen auf mein unglückliches Volk, das weder Ruhe noch Muße kennt. Es beansprucht keine Bürgschaft für Ruhe, sondern für sein Leben, für die ursprünglichsten Menschenrechte, von denen man aber noch nie gesprochen hat. Wenn man die jüdische Bevölkerung von einem Landesteile in den anderen versetzt, Dausende von Irrden von dein Gouvernement Tambow und Woronega nach Sibirien verbannt, findet es die Duma nicht angemessen, einem so leidenden Volke Freizügigkeit zu verschaffen. In der' Iudenfrage bleibt immer alles wie