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Im deutschen Reich · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. 78

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Article
Reden, die in der Duma über die Lage der jüdischen Bevölkerung i Russland gehalten wurden
Date
1916-03-01
Page
78 (sequence 4)
Language
German
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73 Im Deutschen Reichs 'russischen Volke und nicht mit der Staatsgewalt verknüpfen. Unft wir hoffen, daß die Zeit uick)t mehr fern ist, in der wir dieselben Rechte wie das russische Volk haben und freie Bürger eines freier: Rußlands sein werden. Würden die Juden die russische Armee verraten, dann würden sie ihre eigenen Kinder» ihre Söhne, ihre Brüder Verräter:, die auf den Schlachtfeldern kämpfen . . . . v das ist doch ganz unglaublich! 0o erkläre i ch denn im A. n gesicht unseres! Landes, im Angesicht der Kultur Welt» daß diese Verleumdung hie empörendste L n g e ist, eine Erfindung jener Leute, die ihre Missetaten.verbergen müssen und, um die Schuldigen zu entlasten, Unschuldige damit belasten wollen. An Ihnen, meine Herren Abgeordneten, ist es nun, ein ermutigenderes Wort zu sprechen, an Ihnen ist es» die jüdische Bevölkerung aus der schlimmen Lage zu retten, in der sie schmackstet. Spricht dis Duma dieses Wort, so bezahlt sie nur eine Ehrenschuld und vollzieht einen Akt bürgerlichen Mutes, der zum Heil und zur Größe ves Vaterlandes nötig ist." (Beifall in der Linken.) Hierauf ergreift ein Mitglied der Arbeitergruppe, M. A. F. Kerenski, das Wort, um in überzeugender Weise darzulegen, daß er lsich an Ort und Stelle selbst durch die Prüfung der örtlichen Verhältnisse in Kuja davon überzeugt habe, die Behauptung» dort hatten Juden Verrat geübt und an der Seite der Deutschen die russischen Truppen angefallen, nicht begründet war, und daß das dort garnicht Vorkommen konnte. Der sozialdemokratische Abgeordnete M. R. 0« Tschkheidze bezeichnete die Tatsache» daß man den Juden die am meisten geachteten Gemeindemitglieder als Geiseln fortnehme, als ein; Perfahren, das in der Weltgeschichte unerhört sei. In einer spateren Sitzung der Duma (am 28.Augustnach russischem Kalerckwr) hielt der jüdische Deputierte Dr. M. M. B o ma che eine scharfe Abrechnung mit der judenfeindlichen Presse, der Rowoje W rem ja, der „Ruzkoja Snamja" und erklärte, die Unterdrückung der jüdischen Presse sei ein Verbrechen; denn jede Bevölkerung habe ein Anrecht auf seine Sprache; sie ihm so zu entziehen, sei durchaus LNgesetzlich^ A * Das Vertrauen, das der Abg. Friedmann auf die freisinnigen! Duma-Mitglicder gesetzt hat, haben sie nicht gerechtfertigt. Der größte Teil der Linken hat mit der judenferndlichen Rechten die von Friedmann und Miljutin am 23. März d. I. neuerdings eingeb rächten! Interpellationen über die Judenverfolgungen ab gelehnt. 'Der Abg. Samyslowski verteidigte namens der Rechten die Handlungen der Regierung.und sagte, die Duma dürfte nicht die Juden schützen,, wenn russische'Soldaten bei dem Einmarsch in ein Dorf die Juden erhängten. Lin stürmischer Protest des Abg. Tschenkeli hatte nur den Erfolg, daß er und nicht Sauchslowski von der nächsten Sitzung ausgeschlossen wurde. Der Zusammenbruch des Blocks der Linken ist unvermeidlich; der Sieg der Rechten hat auch die Regierung dazu ermutigt» alle in Rußland erscheinenden jüdischen Zeitungen zu zmt erdrücken«

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