Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Reden, die in der Duma über die Lage der jüdischen Bevölkerung i Russland gehalten wurden
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 75 (sequence 1)
- Language
- German
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Svcfc-cn, die in bei* Duma ustv. „heften, die in der Duma über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Rußland gehalten wurden." Anter diesem Titel ist im Verflossenen Jahre in Lausanne in französischer Sprache eine Schrift herausgegeben worden, die uns von der „Zentrale für Äuslandsdicust" vor kurzem zugeschickt wurde. Mit Rücksicht auf den beschränkten Raum unserer Zeitschrift müssen wir uns mit der Wiedergabe eines Auszugs aus einigen Reden begnügen» die ein grelles Licht auf die furchtbare Lage unserer Glaubensgenossen werfen. Die russischen Juden bewahren ihrem Vaterlande eine Treue» die um so anerkennenswerter ist, ccks sie dafür in ihrer Heimat ans keine Anerkennung zu rechnen haben. Bewundernswert ist besonders der Mut der wenigen jüdischen Volksvertreter, die Sitz und Stimme im russischen Parlament haben, und die in einem Lande, in dem das freie Wort jeden mit unsagbaren Gefahren bedroht, unverzagt für Pflicht und Recht' und für ihre unglücklichen Glaubensgenossen eintretem Der jüdische Abgeordnete M. R. M. Friedmann eröffncte am 2. August (nach dem russischen Kalender: 20. Juli) seine Red« mit den Worten: „An dem Tage, an dem unser Vaterland vor einem Fahre in jenen Krieg verwickelt wurde, den es als großer Staat fest end» schlossen ist, bis ans Euve fortzuführen und für den es alle Lebenskräfte eingesetzt hat, sollte man doch wohl eine entsprechende Aufmerksamkeit der Erregung des Rationalgefühls widmen» dem Geiste der Gesamtheit, der in seiner mächtigen Größe alle in der weiten Ausdehnung Rußlands wohnenden Völkerschaften durchdringt und eint. Mir scheint es, daß dabei keine einzige Völkerschaft unbeachtet bleiben sollte» als ob man sie garnicht in Betracht zu ziehen braruhe. Aeberschaue ich von diesem Gesichtspunkt aus die Lage der Juden, sowie alles, was sie ertragen und gelitten und was sie noch zu ge-e wärtigen haben, bann stelle ich vor allem fest, daß sie trotz ihrer traurigen Lage und gänzlichen Rechtslosigkeit es verstanden, sich zu echtem Bürgersinn emporzuschwingen und Proben einer bemerkenswerten Tüchtigkeit in diesem Kriege abzulegem" Run betont Fried mann im weiteren Verlauf seiner Rededaß gleich am Anfang des Krieges die Zeitungen lange Liften jüdischer Freiwilligen veröffentlichten, die sich durch Diplom als befähigt zum Offiziersrang ausweisen konnten, ohne Hoffnung, diesen Rang je zu erhalten, ufid frag ferner die Juden ihre einzigen Söhne zum Heere entließen, nicht freiwillig, sondern infolge eines Ausnahmegesetzes, von dem keine einzige andere Völkerschaft betroffen Wurde. Er schildert weiter, w,ie die im Auslande studierenden ruffi* scheu Juden massenhaft freiwillig nach der Heimat zurückkehrten, um ihrer Dienstpflicht zu genügen, wie viele Juden bei der Errichtung von Lazaretten und bei Geldspenden und allen arideren vaterländischen Leistungen mit den anderen Russen wetteiferten und wie nach statistischen Feststellungen oie Zahl der im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten keineswegs prozentual geringer seh acks die ihrer gefallenen christlichen Kameraden. Dann sagt er: „And wie verhielten sich die Behörden und die gesamte Verwaltung angesichts dieses patriotischen Aufschwungs? Es scheint mir doch, daß man nicht übersehen sollte, daß es in unserem Lande mindestens 6 Millionen Juden gibt, von denen viele in der Industrie eine große Rolle spielen' und deren weitere Entwicklung fordern könnten, Im Kampfgebiet» -ad es eine nngernei» dichte