Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 67 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316857-2316859--25998-2350589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
A m IcTkiUv 67 Abgeordnetenhauses von einem volksparteilichen Abgeordneten di« überaus segensreiche Tätigkeit der Feldrabbincr hcrvorgehoben und seinen Worten von einem konservativen Abgeordneten, einem evangelischen Feldgeistlichen, lebhaft und freuoig zugestimurt worden. Einige Wochen früher hatte derbayerische Kultusm inist er! im Finanzausschüsse ocr bayerischer! Abgeordneten-, kam me r bei der Beratung der Ausgaben für kirchliche Zwecke den Geistlichen der christlichen Bekenntnisse und den jüdischen Geistlichen herzliche Worte dankbarer Anerkennung gewidmet, die selbst die antisemitische Zeitung „Das bayerische Vaterland" unverändert wiedergegeben hat. Der Minister führte aus: „Die gesamte Geistlichkeit habe wahrend des Krieges nicht nur in der eigentlichen Seelsorge, sondern auch auf dem Gebiete der Mildtätigkeit und Wohlfahrtspflege sich einmütig in vaterländisches Begeisterung betätigt." In dem Finanzausschuß hatte der bayerische Kriegsminister Kreß v. Kressenstein sich heftig gegen die Behauptung verwahrt, daß jüdische Soldaten als minder brauchbar und weniger beförderungsgeeignet von der Front oder bei weniger auszeichnungsfähigen Truppengattungen zurückgehalten würden. Regierungsseitig wird nicht nur in Bayern, sondern überall in Deutschland anerkannt, daß die Juden im Felde und in der Heimat ihre vaterländischen Pflichten in vollstem Maße erfüllen nnd sich auch als militärisch tüchtig erweisen. Bis jetzt sind bereits 25 deutsche Juden durch die Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse für hervorragende Tapferkeit ausgezeichnet worden. Die zu Reserveoffizieren besörderten Juden zahlen nach Hunderten, die mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse geschmückten indischen Krieger nach vielen Tausenden. Und wie diese Soldaten jüdischen. Glaubens und die vielen, die für ihr deutsches Vaterland ihr Herzblut vergossen! haben, durch ihre Pflichttreue es wohl verdienen, daß das deutsche Volk endlich die Verleumder ihrer jüdischen Mitbürger zum Schweigen bringt, sollte cs sich ferner davon überzeugen, daß auch in der Heimat die deutschen Juden an Opfcrfrcubtgfcit und treuer Gesinnung hinter den anderen nie zurückftanden und unter denen, die die entbehrungsreiche Zeit frevelhaft benntzen, um sich zu bereichernnur in verschwindender Zahl vertreten sind. Dies gestehen unparteiische nnd christliche Autoritäten unumwunden zu. In einem von der „Züricher Zeitung" am 20. Februar veröffentlichten Artikel von Johann es?lohl hat dieser in scharfen Worten davor gewarnt, Erisäpfel veralteter Vorurteile in die Kreise des Burgfriedens zu schleudern und dadurch dem bei der Mitarbeit nach dem Friedensschluß sehr wichtigen Teil der deutschen Bevölkerung Besorgnisse einzuflötzen. Aohl sagt wörtlich: „Mit tiefer Scham mutz es uns Christen aller Lander erfüllen, daß die Juden den allerorten sich wieder regenden Antisemitismus als ein sicheres Zeichen des nahenden Friedens begrüßen. Mag das wehmütige Wissen der Juden zu Recht bestehen -- ein Tor, wer an die Möglichkeit eines ewigen Friedens glaubt, f ct I a n g 3 menschliche Bosheit und menschlicher Unverstand sich in der niederträchtigsten Form der Verhöhnung des ältesten Menschen» stammes offenbart." Die Versuche einzelner Judengegner, den berechtigten Zorn der durch den Nahrungsmittel-Wucher leidenden Bevölkerung auf vis Juden abzulenken, können schon als gescheitert betrachtet werden. .In der letzten Sitzung der zweiten badischen! Kammer erklärte der badische Minister des Innern, Freiherr v. Bodmann: „Die Handlungsweise jener Landwirte, die bei der Getreidebestandsaufncchme im November 1915 absichtlich falsche Angaben machten, sind rin Schatte» te dem sonst so glanzende»