Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Die Ostjudenfrage am Ausgange des achtzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 62 (sequence 7)
- Language
- German
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63 gut Deutschen Ne ich. Lande ist. Schon diese Rücksichten machen eine ganz andere <£Frt* richtung des Iudenwesens dort, als in den alten Provinzen eingeführt ist, notwendig, nnd 'ich halte dafür» daß!' diese Nation der Verbesserung sehr wohl fähig ist, ihre Glieder auch zu nützlichen Staatsbürger:: gemacht werden können." Der Minister erbat sich nun vom Oberpr'asidenten nähere Angaben über die Mittel und Wege zur Erreichung dieses Zieles. Soweit war das Organisationswerk des Ministers von Voß^ der gleich seinem Kommissarius Graf Hohn: den Juden wohlgesinnt war, eingeleitct worden; besonders war es der Graf Hoym, der die drückende Lage der Juden wohl kannte und ihnen manche Erleichterungen zu verschaffen gewußt hatte. Im Vertrauen auf die günstige Stimmung dieses hohen und einflußreichen Beamten nahm der Berliner Shnagogcnvorstand sofort Veranlassung, für die südprcußischen Glaubensgenossen Fürsprache einzulegen und um Rücksicht auf deren niedriger: Kulturstand zu bitten. Graf Hoym sagte in freundlichster Weise die erbetene Rücksicht zu und erklärte, daß' „wie es ihm wahres Vergnügen sei, zum Wohlstände der jüdischen Nation beitragen zu können, dieses auch in Ansehung der jüdischen Einrichtungen in Südpreußen geschehen werde". Aber auch die Staatsklughcit erforderte eine wohlwollende Behandlung der Juden. Wohnten sie doch in außerordentlich hoher Zahl in den neuen Ladestellen. Dabei nahm sie der polnische,Adel in Schuh, freilich nicht lediglich aus humanen Gründen. Erklärten doch die adligen Herrn in einem besonderen, an Hoym gerichteten Schreiben: „Da die Juden große Summen schuldig sind, so möge Man ihnen den Handel in den Städten ferner erlaube!:, deren Privilegien sie davon ausschließen, indem die Juden sonst nicht in:stände waren, ihre Schulden zu bezahlen." Ebenso wenig konnte die städtische Bevölkerung, die ihren jüdischen Mitbewohnern durchaus freundlich gegenüberstand, die Arbeit jüdischer Hände entbehren. In seinem Berichte über die Reform des Iudenwesens in Südpreußen erkannte Hoym selbst an, „daß noch viele Jahre dahingehen werden, ehe die christlichen Einwohner, an Arbeitsamkeit und Fleiß' gewöhnt, sich den Geschäfte:: widmen würden, indem bekanntermaßen die Juden nicht nur alldort den Groß- und Ktein- . Handel einzig und allein »ans die alleruneingeschränkteste Weise treiben^) sondern auch in den meisten Orten oft die einzigen Hando ^rker sind, Ackerbau und Viehzucht treiben und sich als Dogelöhner, Handarbeiter und Fuhrleute gebrauchen lassen. Es würde für die Provinz von größtem Nachteile sein, würde man die Juden einseitig und allein von dem Genüsse ihrer bisherigen (Gerechtsame ausschließen, daß vielmehr, um diese Leute zu glücklichen und besseren Gliedern der bürgerlichen Gesellschaft zu machen, sie vollkommen gleiche Rechte mit allen übrigen Untertanen erhalten mü fft en." Nunmehr ließ die Regierung eine gründliche und umfassende Aufnahme und Untersuchung aller tatsächlichen Verhältnisse in den jüdischen Gemeinden vornehmen, um sich ein klares Bild von denselben zu verschaffen und eirte Norm für die geplante Organisation zu erlangen. Das hierbei gewonnnene Bild ist von hohem Interesse. Die Städte in dem Mosener Departement hatten eine Gesamtbevölkerung von 175 406 5) ,1797 waren in Südpreußen 1100 bis 1200 handeltreibende Juden gegenüber 1700 bis 1800 christliche Handeltreibende, unter den Handwerkern war in Südpreußen der siebente, in den Stabten der Mosener Kammer der neunte ein Jude,