Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Die Ostjudenfrage am Ausgange des achtzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 60 (sequence 5)
- Language
- German
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CO Im Deulschcn AciH< So foUtc denn wieder die Absicht des Königs durchkreuzt werden. „Der treueste unter seinen Getreuen einer wandte sich von ihm, ja, gegen ihn!" Als der König 1780 nach Westpreußen kam, mußte er wahrnehmen, daß die Kulturverhattnisse in diesem Lande weit hinter feinen Erwartungen zurückgeblieben warem Erbittert über diesen Fehlschlag sprach er zu Dömhardt, der persönlich für die Juden eintrat, harte Worte. Er fuhr den alten, Irenen Diener an und rief: „Scher' er sich zum Teufel!" Aoch am selben Tage erbat Domhardt seine Entlassung. Aber der König hatte sich nach kurzer Zeit beruhigt. Er hatte wohl eingesehen, welch großes Unrecht er seinem Beamten getan hatte, und wie falsch es sei, gegen die übereinstimmenden Ansichten seiner Staatsdiener zu verfahren, zumal auch der Zustand des Landes, wie er erkennen mußte, es schlechterdings nicht zuließ. Aach einiger Zeit erging an Dömhardt eine Kabinettsordre, in der der König erklärte, daß. die Ausführung seines Ausweisungsbefehls nicht das Werk von einem Tage sein, sondern daß die Fortschaffung nur allmählich vor sich gehen könne. Seitdem hat Friedrich der Große sich nicht wieder um die Juden im Aetzedistrikt gekümmert?) Aus den vorstehenden Darlegungen ist ersichtlich, daß schon! während der Aegierungszeit Friedrichs des Großen unter den Aegicrungsbeamten tu dem neuerworbenen Landesteile sich eine Richtung geltend machte, welche sich vollständig in einen Gegensatz zu der des Hofes setzte uiü> eine völlig veränderte Behandlungs- Weise der Juden zum Wohle des Landes für erforderlich hielt. Ist erhöhtem Maße trat dies nach dem Tode Friedrichs des Großen ein. Während man am königlichen Hofe einer Aicderhaltnug und Vertreibung der Juden das Wort redete, glaubte die Beamtenschaft, welche Gelegenheit hatte, mit den Juden in direkte Beziehungen: zu treten und sich mit ihrem Charakter vertraut zu machen, sie nicht nur dulden, sondern sie auch zu guten Staatsbürgern heranbilden zu sollen. Die Ideen, welche irr der Dohmschen Schrift „lieber die bürgerliche Verbesserung der Inden" zum Ausdruck gebracht sind, waren auf die preußische Beamtenschaft in den okkupierten Landesteilen nicht ohne Eindruck geblieben. Ihre abweichenden Anschauungen brachten die in Betracht kommenden Beamten zum Ausdruck, als im Jahre 1701 das Ministerium von der wcstprcußischeir Kammer ein Gutachten darüber eingcfordert halte, wie anr schnellsten und leichtesten eine Verminderung der Juden dortiger Pr. vinz erre'cht werden könne. Die Abfassung dieses Gutachtens wurde dem fefjou genannten Kriegs-- und Domänenrat Proscovius übertragen. Dieser nahm nun wiederum die Gelegenheit wahr, seine Indenfreundlichkeit zu betätigen. Denn anstatt der Weisung des Ministeriums zu entsprechen und die Mittel zu entwickeln, durch welche die Absicht des Ministeriums auszuführen sei, stand er nicht an, diese ^Ausführung selbst als dem Staatswohle widersprechend darzustellen und anstatt der Verminderung der Juden die Verbesserung ihrer Lage zum Gegenstand seines Gutachtens zu machen, und er empfahl vor allem ein allmächtiges Fallenlassen aller Einschränkungen und eine nach und nach durchzuführende Gleichstellung der Juden mit den Christen. Proscovius empfahl für den Augenblick zwar nur, einige der wichtigsten Beschränkungen aufzuheben, wie das Verbot des Acker- •) 1785 lebten im Netzedistrikt 6785 Juden unter 163070 Ein* wohnen^