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Im deutschen Reich · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. 59

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Article
Die Ostjudenfrage am Ausgange des achtzehnten Jahrhunderts
Date
1916-03-01
Page
59 (sequence 4)
Language
German
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Die Ostjudenfrage am Ausgange des 18, Jahrhunderts. 59 Brenkenhoff und seinen Bundesgenossen. Die gemäß der Bestimmung des Königs eingesetzte. Kommission für das Schuldenwesen unterzog sich ihrer Aufgabe so gründlich, daß sie zu deren Erledigung nicht weniger als zwei Jahre gebrauchte. Zudem war ihre Arbeit dadurch vermehrt worden, daß die Grenzen des Aetzedistriktes inzwischen erweitert worden waren. Auch gelang es Brenkenhoff, den König davon zu überzeugen, daß die Juden für die Fabrikation und den Grenzhandel unentbehrlich jeicn* Im Jahre 1775 sollte nun die Austreibung der Juden vor sich gehen. Aber auch jetzt verstand es wieder Brenkenhoff, einen längeren Aufschub zu erwirken, indem er die höchste preußische Verwaltungsbehörde, das Seneraldr'rcktorium, für die Juden zu interessieren wußte. Diese höchste Behörde machte nun allerlei Feststellungen und ließ Listen anfertigen über Zahl und Vermögen der Juden usw., was wiederum eine geraume Zeit in Anspruch nahm. In seinen Bestrebungen wurde Brenkenhoff unterstützt durch den den Juden wohlgesinnten Domänen- und Kriegsrat von Pros» covius, dem das Dezernat über die Iudensachen innerhalb der neueingerichteten Donräuenkammer-,Deputation in Bromberg übertragen worden war, Die Erhebungen dieses Beamten dauerten wiederum drei Jahre. Lkach ihrem Abschluß versuchte es Brenkenhoff, abermals einen Aufschub zu erlangen. Sein Vorgehen wurde durch die inzwischen eingetretenen allgemeinen politischen Verhältnisse begünstigt. Der bayerische Erbfolgekrieg war nanUich ausgebrochen, und am 30. April 1778 erklärte die Bromberger Kammerdeputation, daß eine Erledigung der Angelegenheit zurzeit untunlich sei. Das Generaldirektorium aber wollte von einem Aufschub nichts wissen. Es befahl vielmehr, jedenfalls auf Drängen des Königs, daß nunmehr alles zu Lude zu führen sei. Aber auch jetzt dauerte es mehr als ein Jahr, bis die Vromberger Kammer ihre Arbeiten abgeschlossen hatte (1779). Sieben Fahre waren nun seit dem Erlasse der Ausweisungsordre vergangen, aber kein einziger Jude war bisher gezwungen worden, das Land zu verlassen. Fm Gegenteil. ES waren noch viele hinzugcwandert. Ihre Zahl war auf 9860 gestiegen. Und die Beamten, die mit der Ausführung des königlichen Erlasses betraut worden waren, hatten, anstatt, wie es der König gewollt, einen Entwurf vorzulegcn, wie man sich der Juden entledigen könne, einen Orgauisationsplan für dieselben geschaffen^ Ja, sie hatten sogar ein Generalpriviteg sowie ein Reglement für die Juden des Aetzedistrikles entworfen. Der König, hierüber verstimmt, legte das ganze ihm zugegangene Material als wertlos beiseite und bestand auf der Ausführung seines Befehls. Aber auch jetzt wurde die Forderung des Königs nicht erfüllt. Proscovius gelang es, den Oberpräsidenten Domhardt rn Marienwerder, dem die Ausführung der Angelegenheit übertragen wurde, für seine Anschauungen betreffs der Juden zu gewinnen. Domhardt setzte in einem Bericht an das Generaldirektorium auseinander, daß wohl die Absicht des Königs die allerbeste und ein Beweis seiner landesvaterlichen Fürsorge für das Wohl seiner Untertanen sei; aber er könne doch nicht oer plötzlichen Ausweisung eines Teils der Bevölkerung zustimmen. Denn eine solche würde nicht nur den Gefühlen der Menschlichkeit, sondern auch der erhabenen Gesinnung des Königs gegen jeden, wes Glaubens er auch sei, Gleichheit und Berechtig* reit walten zu lassen, widersprechen. Auch würde es unmöglich sein, in solch kurzer Zeit so große Menschenmengen zu ersetzen- und aus allen diesen Gründen rate er von einer Austreibung rab,

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