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Im deutschen Reich · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. 58

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Article
Die Ostjudenfrage am Ausgange des achtzehnten Jahrhunderts
Date
1916-03-01
Page
58 (sequence 3)
Language
German
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53 Im Deutschen Reichs mufften, nicht zu gedenken, das; durch eine solche Verbannung viele Oerter Wüsteneien werden und die Gruudherrschaften den größten Teil ihrer Einkünfte verlieren würden". Außerdem bringe die Regelung des Schuldenwesens große Schwierigkeiten mit sich. Der Großkauzter erwiderte, er sei zwar kein Iudcnfreund oder -Protektor, allein er könne der königlichen Kabinettsordre nicht bcipflichten, schon jetzt so viele tausend Einwohner ans dem Lande zu vertreiben und ganze Städte zu entvölkern. Dem Könige sei cs jedenfalls nicht bekannt, daß die Zahl der nicht qualifirierten Juden so groß sei. Sodann ersuchte der Groffkanzler, dem Könige die wahre Zahl von 6221 Juden (unter 84 000 Seelen) bekanntzugeben und ihn darauf aufmerksam zu machen, daß manche Orte in öde Statten verwandelt würden. „Am allergeflhrlichsten und nachteiligsten aber halte ich", sagte von Fürst weiter, „die so kurz gesetzte Frist bis zum 1. Mai 1773. Ich halte es daher für begründet, wenigstens auf eine Verlängerung der Frist von drei Monaten anzutragen. In bezug auf das Schuldenwesen werde ich beim Könige selbst vorstellig werden." Die Bemühungen der beiden hohen Staatsbeamten chatten den Erfolg» daß der König auf deren Eingabe erklärte, die Ansicht des Großkanzlers sei sehr vernünftig und den Interessen des Landes entsprechend. Es sollte nun erne Kommiftwn eingesetzt werden, die das Schuldenwesen zu regulieren hatte und die dafür Sorge tragen sollte, daß kein Jude weggelassen werde, bevor nicht alles berichtigt nnd gehörig sichergestellt sei. Im übrigen aber erklärte der König: „Wie ich gesagt habe» so muß es bleiben," und er fügte noch hinzu, ,chaß die dem Distrikte an der Aetze angehöreuden ^eute keine Einwendungen gegen die königlichen Ordres zu machen haben". Den Ausgewiesenen waren inzwischen noch von anderer Seite Helfer erstanden. Zunächst hatten die Ausgewiesenen selbst in ihrer Angst nnd Aot an den König eine Deputation gesandt. Vorher aber hatten sich schon die Berliner Juden mit dieser Sache befaßt. Sie versandten einen Hilferuf, den mehr als 30 polnische Rabbiner und viele angesehene Männer, au ihrer Spitze der Berliner Rabbiner hirschel Lewin, Unterzeichneten. Man gewann christliche Kaufleute für die Sache und wußte diese dahin zu bringen, zugunsten dev ausgewiesenen Juden ein Immediatgesuch an den König zu richten. In dieser Eingabe hieß es, daß „die Reellität der armen Juden denselben bei den Christen Kredit verschafft habe» und das Geld würde verloren gehen, wenn die Juden ausgewiesen wurden." Daher baten die christlichen Kaufleute, wenigstens einen Aufschub des Termins zu gewähren. Dieses Gesuch blieb ohne Erfolg. Der König schrieb auf den Rand der Eingabe: „Sie sollen sich um ihren Handel und nicht um Sachen, die sie nichts angeyen, kümmern." Und die von den Ausgewiesenen entsandte Deputation? Sie erhielt nicht einmal Zutritt zum Könige, und mehrere fernere Bittgesuche blieben unberücksichtigt. Der König erklärte: „So, wie ich befohlen, muß es bleiben!" So mußte Brenkenhoff, der voll Edelmut so mannhaft für die bedrängten Juden seines Verwaltungsbezirkes eingetreten war, wahrnehmen, daß seine Bemühungen einen gar aerwgen Erfolg hatten. Aber auch dieser durfte freudig begrüßt werden. War auch nicht eine völlige Zurücknahme der Ordre erreicht, so war doch wenigstens ein Aufschub erzielt worden. Und dieser sollte — trotz der Lategorischen Morte des Königs — ziemlich lange währen, banl

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