Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Die jüdische Jugend
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 53 (sequence 5)
- Language
- German
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Die jüdische Fugend, 63 machtvoll durchzuführeir. Zweifler mögen kommen und sagen, das Judentum könne keine Begeisterung einflößen. Ihnen wollen wir entgegenhalten, daß das Judentum doch nichts anderes ist, als die zur Tat gewordene sittliche Weltanschauung, die gipfelt in dem Begriff „Recht und Gerechtigkeit". Hat wohl jemals etwas größere Begeisterung einzuflößen vermocht, als' das Bewußtsein, ein Kämpfer für das Recht und die Gerechtigkeit zu sein? Erfüllt uns Deutsche nicht einzig und.allein die Erkenntnis, daß das Recht mit Ms ist, mit dem Willen zum Lieg, der doch schon ein Teil des Sieges selbst ist? Nur darauf, kommt es an, daß man unsere Jugend diesen Grundgedanken des Judentums wiedererkennen läßt. — Im anderen Zusammenhänge werden wir noch einmal auf die Bedeutung einer starken Anteilnahme der Jugend an der Mischen Bewegung hinzuweisen haben. Der Ruf, das Judentum nicht zu vergessen, soll aber nicht allein an die männliche Jugend gerichtet sein, er soll und muß auch von der weiblichen gehört werden. Immer dringender wird eine Betätigung der Frau an allen Gemeinschaftsfragen gefordert. Darum verlangen wir aber auch, daß sie Arbeit leistet in der jüdischen Frage. Gerade hier ist sriiher so manches gesündigt worden. Unsere Frauen und Mädchen haben nicht immer >den jüdischen Bestrebungen das Interesse entgegengebracht, das nötig gewesen wäre. Aber auch hier wird, sy hoffen wir zuversichtlich, die Zeit, die den Beweis geliefert hat, daß die Frau des größten Opfermutes fähig ist, Wandel schaffen. Auch unsere weibliche Jugend mutz Lernen, das Judentum als etwas Großes und Erhabenes zu betrachten, und sie muß sich bewußt werden, daß ihr durch die Zugehörigkeit zum Judentum ganz besondere und nicht immer leichte Aufgaben zugesalleu sind, deren Erfüllung ebenfalls Pflicht ist. Denken wir vor allem daran, daß die Mutter es ist, die die Seele des Kindes formt. Wie aber können wir von der Mnttter verlangen, daß sie ihre Kinder zum Judentum erzieht, wenn sie selbst nicht jüdisch fühlt, wenn sie selbst nicht durchdrungen ist von der Erkenntnis des Wertes des Judentums. Erfolgreich wird und kann aber die Arbeit der jüdischen Jugend nur dann sein, wenn ihr die AelLeren helfend und beratend zur Seite stehen. Sie müssen ganz besonders von der dringenden Notwendigkeit dieser Arbeit überzeugt werden. Auch hier liegt vielleicht ein Fehler der vergangenen Jahre, der, duenn er nicht rechtzeitig abgestellt wird, sich noch bitter rächen kann. Man hat die Betätigung der Jugend in der jüdischen Bewegung vielfach mehr als harmlose Spielerei denn als ernste Arbeit, die geschehen muß, angesehn. Man hat vor allem es auch nicht für nötig gehalten, der sJugend den Weg, den sie gehen mußte, mit aller Entschiedenheit zu zeigen.