Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Article
Die jüdische Jugend
Date
1916-03-01
Page
52 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316857-2316859-2350481--25981-2350574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

52 Im Deutschen Reich« Verhältnisse sind nicht geklärt. Aber das eine wissen wir schon: Große Probleme Lauchen auf, die in einer späteren Zeit der Ausführung harren. Sie müssen wir aufgreifen, ihren Kern müssen wir erfassen. Nur so sind nur in der Lage, tätige Mithilfe zu leisten, wenn einmal die Zeit gekommen sein wird, sie zu verwirklichen. Wollten wir uns dann erst die erforderlichen Kenntnisse erwerben, wir würden viel zu spät kommen, und es würde uns nichts anderes übrig bleiben, als als müßige Zuschauer dazustehen. -- Aber noch aus einem andern Grunde muß von der Jugend heute jüdische Arbeit verlangt werden: Wie die Verhältnisse liegen, ist eine wesentliche Aufbesserung unserer Lage kaum zu erwarten; denn Vorurteile, die seit Jahrzehntenimmer ltnb immer wieder der Volksseele eingeimpft 'wurden, können nicht mit einem Zuge aus ihr heraus gerissen tverden. Da droht denn die Gefahr, daß gar manche, von Verzweiflung übermannt, uns den Rücken kehren und glauben, daß, wenn selbst dieser Krieg keine Aenderung herbeisühren kann, uns nichts mehr retten wird. Doch die, die sich dann von uns wenden sollten, das können nur die sein, denen das Judentum ein lästiger Ballast oder ein gleichgültiges Beiwerk geblieben ist. Ganz anders aber werden die denken, die das Judentum lieben und sich bewußt zu ihm bekennen. Sie werden, vertrauend auf die Kraft des jüdischen Gedankens, sich freudig zu neuen Kämpfen zusammenscharcn; denn am Beispiel unseres Vaterlandes haben sie ja auch gesehen, daH das Recht trotz aller Neider sich endlich doch durchsetzen muß. — Diese Notwendigkeit zur Arbeit für das Judentum in der Jetztzeit liegt aber auch begründet, wie wir bereits andenteten, in der Pflicht der Zurückgebliebenen zur Erhaltung all der Myriaden kleiner Funktionen des täglichen Lebens, die wir in ihrer Gesamtheit als „Kultur" bezeichnen. Daß jede Religion ein mächtiger Kulturfaktor ist, kann heute schlechterdings nicht mehr bestritten werden. Daß aber gerade das Judentum, weil es Gelegenheit bietet zu so vielfältiger Betätigung, in höchstem Maße kulturspendend ist, werden wir auch nicht leugnen können. Daher würden wir, die wir nicht mit unfern Brüdern hinausziehen konnten, uns aufs schwerste an unserer Pflicht zur Erhaltung der Kultur versündigen, wenn wir etwa altes Jüdische als. unzeitgemäß beifeite legen würden. Und warum wir so ganz besonders von der Jugend dieses Eindringen in den Geist des Judentums verlangen? Ureigenstes Gut der Jugend ist die Begeisterung, die — wir sehen es ja täglich —, wenn sie für eine große jund heilige Sache entflammt wird. Taten vollbringt, wie wir sie gewaltiger uns nicht denken können. Begeisterung für die jüdische Sache' ist aber das, was wir heute nötig haben, um unfern Kampf, her ein Kampf der Minderheit gegen dielfache Uebermacht ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.