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Im deutschen Reich · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. 26

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Article
Deutschland und die Ostjudenfrage
Date
1916-01-01
Page
26 (sequence 7)
Language
German
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26 Im Deutschen Reick). und ihre Organisationen in erster Reihe sein müssen, die der Regierung bei ihren: großen Befreiungswerke hilfreich zur Hand gehen müssen. Wir dürfen überzeugt sein, daß die deutschen Juden dieser stolzen und schönen Aufgabe sich gewachsen zeigen werden. Warum sollten nicht auch die Juden, die ja bereits die Erzieher des ganzen Menschengeschlechts gewesen sind, imstande sein, an einem Teil von ihnen, der länger als sie im Schatten leben mußte, das Erziehungswerk zu üben und ihm den Weg zum freien Menschentum zu bahnen? Entgegnung. Bon Dr. F. Goldman n. Herr Dr. Alexander hat meinen Aufsatz offenbar mißverstanden. Ich bin durchaus nicht für einen größeren Zuzug der Ostiuden begeistert, sondern ich suche nur das Mittel, diesen. Zuwachs zu' verhindern, nicht wie er in einem Einwanderungsoerbot, sondern in der Emanzipation und Befreiung der Juden auf ihrem eigenen Boden. Ich habe desferneren die Schwierigkeiten der Eingliederung auch nur kleiner Ostjuden,nassen keineswegs übersehen oder irgendwie geringgeschätzt. Ich habe auch nichts davon gesagt, daß die christlichen Mitbürger unsere ostjüdischen Glaubensgenossen mit offenen Armen aufnehmen würden. Ich habe im Gegenteil betont, daß die ersten Jahre für uns Juden Jahre des Mißvergnügens sein würden, weil auf ein starkes Anwachsen des Antisemitismus zu rechnen wäre. Xiub das ich vollends die östlichen Juden nach Deutschland verpflanzen wolle, ist nirgend auch nur angedeutet. So kann ich denn den größten Teil der Erwiderung des Herrn Dr. Alexander übergehen, um mich der Hauptsache zuzuwenden, die freilich alles andere aufwiegt. Herr Dr. Alexander scheint nach eine m Ausnahmegesetz z u verlangen, um den Ostjuden die Aeberschreitung der Grenze u n m ö g l i ch 3 lt machen! Herr Dr. Alexander 'fjat meine Stellung als eine Politik des Mitleids gekennzeichnet, wohingegen er selber eine Verstandespolitik vertreten will. Ich bedaure, seine angebliche Verstandespolitik als nicht gerechtaber auch als nicht folgerichtig bezeichnen zu müssen. Die Ostjuden abzuschütteln, ist zunächst darum wenig schön, weil doch unsere Urgroßväter auch Ostjuden gewesen sind, die jiddisch gesprochen .haben und alle Fehler und Vorzüge der heutigen Ostjuden aufwiesen. Es gibt für die Leute, welche so ostentativ von den Ostjuden abrücken, eine bezeichnende Anekdote. Von zwei jüdischen Freunden ließ der Eine sich tausen, und als der Andere ihn fragte, wie es bei dem Akte zugegangen sei, erwiderte er schlicht und bieder: Halts Maul, Iud! Das Eintreten für ein Ausnahmegesetz ist aber auch unklug. Herr Dr. Alexander ist bezeichnender Weise mit einer einzigen Zeile über meine politischen Bedenken hinweggegangen. Sie sind jedoch nicht aus der Welt zu schaffen. Eine Erschütterung des Rechtsbodens zu ungunsten der polnischen Juden würde der Beginn der Entrechtung deutscher Bürger jüdischen Glaubens sein. Ein Schritt auf diesem Wege würde den Antisemitismus gewaltig starken und solche Forderungen dürfen wir Juden am allerwenigsten erheben. Herr Dr. Alexander freut sich so sehr unserer Kultur und unserer Stellung. Sein Ruf nach dem Ausnahmegesetz wäre aber das beste Mittel, um beides zu untergraben. Würde er mit seinem Wunsche durchdringenso wurde seinem Enkel wahrschein»

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