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Im deutschen Reich · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. 25

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Article
Deutschland und die Ostjudenfrage
Date
1916-01-01
Page
25 (sequence 6)
Language
German
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Deutschland und die Ostjudensrage. 25 Umfange in Westeuropa kolonisieren zu wollen, erscheint mir eine sehr kühne Aufgabe, umso kühner, wenn ein Jude sie stellt, denn er mufr sich darüber im klaren sein, daß die Kolonisationsardeit im wesentlichen den deutschen Juden zufiele. Es bedarf kaum einer weiteren Ausführung, daß die Oftjuden, selbst wenn sie in die deutschen Städte einströmten — denn nur sie würden als Holonisatwnsgebiet von ihnen bevorzugt und eine Beschränkung der Freizügigkeit dürfte ja nicht in Frage kommen — sich stets den bestehenden jüdischen Institutionen zuwenden würden, um Rückhalt zu finden. Andererseits würde auch die Regierung die jüdischen Gemeindeinstitutionen und sonstigen Organisationen als Grundlage für ihre Kolonisationsarbeit benutzen. Die Westjuden wären also freiwillig oder unfreiwillig die Träger der eigentlichen Kolonisation. Ist sich Or. Goldmann der Tragweite der Aufgebe bewußt, die er damit den westlichen Juden aufbürdet? Sind die Westjuden in sich schon wirklich so gefestigt, daß sie diesem Druck gewachsen sind? Ich sehe mich genötigt, hinter diese Frage ein großes Fragezeichen zu machen. Nicht, als ob ich die Resistenzkraft und Opferwilligkeit der deutschen Juden unterschätze. Aber ich kann mich dem Gedanken nicht verschließen, daß es gewagt erscheint, die deutschen Juden schon heute einer so gewaltigen Belastungsprobe auszufetzen, wie sie die Aufnahme einer so großen Zahl von deutscher Kultur wesensfremden Glaubensbrüdern darstellt, für die man in gewissem Sinne die Verantwortung zu übernehmen hatte. Jeder, der bauen will, sucht festen Grund, gewachsenen Boden. Nun, dem Baugrund, in dem das deutsch« Judentum wurzelt, fehlt noch teilweise die Tiefe. Soll das deutsch« Judentum etwa unter der Last zusammenbrechen, die es sich auferlegt, oder die ihm auferlegt wird? Soll die mühselige Kulturarbeit ganzer Generationen zunichte gemacht werden durch ein gewagtes Erperimcnt. das weder den Tatsachen, noch dem Kräfteverhältnis Rechnung trug? And alles dies» weil, wie Di*. Goldmann meint, eine Ausnahmegesehgebung, welche die Grenzen sperrt, unser schlimmster Feind sei. Gewiß, darin ist ihm zuzustimmen. Ein Ausnahmegesetz, welches sich nur gegen die Ostjuden richtet, müßten wir schon vom Standpunkt des Principiis obsta mit aller Entschiedenheit bekämpfen. Von dem Einwanderungsverbot dürften jedoch nicht die Ostjuden als Juden betroffen werden. Deshalb muß sich das Ausnahmegesetz gegen alle auf dieser Kulturstufe stehenden Elemente ohne Rücksicht auf ihre Religionszugehörigkeit richten. Damit wird dem Verbot der Charakter des judenferndlichen Ausnahmegesetzes genommen. Wir müssen, so schwer wir uns auch zu diesem vielleicht rigoros erscheinenden Standpunkt durchringen, im wohlerwogenen Interesse der Ostjuden selbst, wie in unserem eigenen, zur Verfechtung desselben entschieden und mit Entschiedenheit allen sentimentalen Versuchen, den Ostjuden in großem Maßstabe Aufnahme in Deutschland zu gewahren, entgegentreten. Die Ostjuden sind hierfür noch nicht reif. Sie müssen erst die Erziehung an sich erfahren, welche ein Jahrhundert deutscher Kulturarbeit an den westlichen Juden vollzogen hat. Da blüht uns reiche Arbeit. Auf der heimatlichen Scholle die Ostjuden zu freien, starken, selbstbewußten Menschen zu machen, das ist eine Aufgabe, die des Schweißes der Edlen wert ist. Und darin berühre ich mich mit vr. Goldmann, der ja auch in der Emanzipation der Ostjuden auf dem Boden der Heimat die beste und befriedigendste Lösung des Ostjudenproblems erblickt. Gelmat «S Deutschumd, einen bestimmenden Einfluß auf die Gestattung Russisch-Polens zu gewinnen, dann werden es deutsche Juden

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