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Im deutschen Reich · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. 17

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Article
Der russischen Juden Not und Trost
Date
1916-01-01
Page
17 (sequence 3)
Language
German
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Der russischen Juden Not und Srofö 17 Viehzucht widmen. Landarbeit treiben, das ist die beste Hebung für sie und die Sicherung ihrer Zukunft, Landarbeit nicht etwa, in dem kleinen Palästina sondern dort in den weiten Gebieten des ehemals russischen Bodens, wo sie einst Tränen über ihr Schicksal vergossen und Fremdlinge in ihrem Hause waren. — Natürlich muß nicht nur bei den „oberen Zehntausend", nein auch bei den breitesten Massen eine gründliche Bildung cmgestrebt werden; sie müssen, besonders die galizischen Juden, dringend belehrt werden, daß ihre .äußere Kleidungsform, Peres und Kaftan, kein notwendiges Beiwerk des Judentums ist. Durch schulmäßigen Unterricht muß ihnen der Begriff der Hygiene beigebracht, nnlß ihnen die notwendige Sauberkeit der Kleidung und Wohnung selbstverständlich sein. Und schon die Arbeit selbst und deren Segen wird in ihnen den Wunsch nach besserer Aeußerlichkeit keimen lassen. Sie müssen darüber belehrt werden, daß sie tatsächlich schon durch ihr Aeußeres jenen fremdartigen Eindruck erwecken, der sie als „Juden" in Galizien und Polen charakterisiert, und sie müssen auch systematisch wirklich deutsch sprechen lernen. — „Wenn wir uns nur deutsch ausdrücken könnten," so ungefähr hörte ich viele jammern, die alle ihre Klagen und Beschwerden nicht einmal in Worte kleiden konnten. — Damit sei nicht gesagt, daß recht viele dieser Juden dem höheren Bildungswesen, den . akademischen Berufen, zugetrieben werden sollten. Dies wäre ein Schaden für sie selbst und die gesamte Bevölkerung, obwohl viele von ihnen diesem inneren Drange gerne nachgeben möchten. Eine weise Zurückhaltung ist dringend nötig. Bauernstand, Handwerker und Arbeiter, das werden für alle diese Leute die besten praktischen Berufe sein, die sie aus dem Elend des verachteten galizisch-russischen Juden herausreißen. Berechtigtes Selbstbewußtfein wird sie dann auch lehren, durch geistige Bildung und nötigenfalls durch physische Kraft sich ihr Leben und ihre Menschenrechte selbst zu wahren. — Eine weise Regierung' '—und ich möchte fast glauben, daß die jetzige einfache Form der Militärverwaltung dazu am geeignetsten ist — wird diese Bestrebungen im Interesse des Deutschtums und Menschentums gewiß gerne untersuchen. Selbstverständlich wird niemand ihre von Herzen kommende treue Anhänglichkeit an den Glauben ihrer Väter antasten. Sie werden nicht nur arbeitsame Deutsche, sondern auch feste Stützen eines positiven Gottesglaubens sein. Und wenn dann wieder — wie jetzt einmal im Vororte eines polnischen Städtchens — ein dem Judentum sehr fern stehender hoher Militärarzt am Freitagabend durch die niedrigen Fenster blickt und auf sauber gedecktem Tisch neben dem armseligen Sabbat-Leuchter das Stückchen trockenen Bro-

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