Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Article
- Der russischen Juden Not und Trost
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 18 (sequence 4)
- Language
- German
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18 Im Deutschen Reich, tes sieht, über das der Sabbatsegen gesprochen wird, dann wird er nicht nur erstaunt und gerührt sein beim Anblick dieses jüdischen Lebens, sondern er wird diese armen Juden auch' auf der Straße mit demselben Mitleid und derselben Achtung ansehen wie arme Christen. * Die Flüchtlingsfürsorge in den jüdischen Gemeinden. Von Rabbiner Dr. Vogelstein -- Königsberg i. Pr. In den von Prof. Brackmann heransgegebenen „Ostpreußischen Kriegsheften" ist über die Flüchtlingsfürsorge in den jüdischen Gemeinden von Rabbiner Dr. Vogelstein ein Artikel veröffentlicht worden, dem wir mit Erlaubnis des Verfassers auszugsweise folgendes entnehmen: „Es ist begreiflich, daß die jüdische Bevölkerung Ostpreußens dem Einfall der Russen mit ganz besonderer Sorge entgegensah, da die russischen Behörden, welche die Inden des eigenen Landes als rechtlos behandelte^ auch die eine» eroberten, Gebietes differentiell behandeln würden. In der Tat ist in dieser Hinsicht bezeichnend die Bekanntmachung, die bei dem zweiten Einfall der Kommandierende der 10. russischen Armee, General Sievers, erließ, der ausdrücklich von Deutschen und Juden sprach. Die jüdischen Bewohner Ehdtkuhnens flüchteten daher zum großen Teil bereits vor der Mobilmachung, überall aber, auf dem Lande, wie irr den Städten, erfaßte später die all-gemeine Fluchtbewegung fast ausnahmslos die gesamte indische Bevölkerung. Die Hilfeleistung wurde wenige Tage nach dem Kriegsbettage (5. August) durch Begründung des ^Jüdischen Hilfskomitees 1914" geregelt. Gleich zu Beginn griff die Hilfstätigkeit über die Angehörigen der Gemeinde Königsberg hinaus. Russische Staatsangehörige jüdischen Glaubens, die in Kliniken, Kurgäste aus den ostvreußischen Bädern oder solche, die, aus dem Westen heimkehrend, die russische Grenze versperrt gefunden hatten, waren zu Hunderten au? hem Schloßhof integriert. Verpflegung uuT> sonstige Hilfeleistung, vielfach auch Unterstützung mit Geldmitteln, da der Rubel unverkäuflich war, wurden gewahrt. Roch ernster wurde das Bild, als militärische Rücksichten zur Evakuierung der Festung von allen nur zu entfernenden Personen nötigten, und zahlreiche Gemeindemitglieder, die zum Teil seit Jahrzehnten vergeblich versucht hatten, die preußische Staatsangehörigkeit zu erwerben, die liebgewordene Heimat verlassen mußten. Dann kamen die flüchtigen Landsleute aus der Provinz, hier war für Weiterbeförderung zu sorgen,, dort Unterstützung für den Aufenthalt in Königsberg zu gewahren, Unterkunft oder Pflege für die Kranken öder für Greise und Kinder zu beschaffen, Kleider und Wasche zu besorgen ustv. Gleich nach den ersten Tagen haben w?r grundsätzlich alle Hilfesucherrderr Lr nach st an die allgemeine Fürsorgestelle für Flüchtlinge gewiesen. Das erwies sich als notwendig, nicht nur, weil die Mittel oeS Komitees andernfalls binnen kürzester Frist aufgebraucht gewesen wären, sondern auch, weil so allein eine Kontrolle und Ueberstcht möglich war. Da die Flüchtlinge fast ausnahmslos auf rituelle Verpflegung Wert legten, bewilligte die Flüchtlinigsfürsorge einen «entsprechenden Barbetrag, der nicht ausreichend sein konnte.-Das Komitee gewahrte als Beihilfe den erforderlichen Rest. Am 21. September begann der Festmonat (Neujahr, Versöhnungstag, Laubhütten- und Schlußfest). Diesen Aermsten, die durch den feind»