Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Article
- Biblisch-talmudische Fürsorgebestimmungen bei nationalen Notständen und Deutschlands Volksernährung im Kriege
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 13 (sequence 10)
- Language
- German
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Viblisch-lalMudischc Fürsorgebestlünnungen usw. 13 seine Brüder bekamen nur der „Kind erzähl" entsprechend Brot. „lind Joseph verpflegte fciueu Vater und seine Brüder und das ganze väterliche Haus mit Brot, der Kinderzahl entsprechend" (ebend. 47, 12). Dieses jetzt betätigte Gerechtigkeitsprinzip hat Joseph selbst seiner eigenen Familie gegenüber durchgeführt. Wenn auch die Anordnungen Josephs auf ägyptischem Boden erfolgten, also ganz fern von dem eigentlichen Schauplatz der jüdischen Geschichte, so muß doch berücksichtigt werden, daß die Bibel derartige Episoden nur deshalb so aussührlich ansührt, um den Israeliten bestimmte Maßregeln zu geben. Ein biblischer Bericht, daß diese Bestimmungen auf palästinensischem Boden jemals in Hungersnöten oder bei Mangel an Lebensmitteln zur Anwendung gekommen wären, findet sich jedoch nicht. Nichtsdestoweniger dürfen wir all die oben erwähnten Maßnahmen, die vielfach an unsere gegenwärtigen Maßregesn zur Ernährung des deutschen Volkes erinnern, als in Israel tatsächlich zur Anwendung gekommene ansehen. Dies bezeugt die Erzählung von der Volksernährung in der Wüste. Nach der Befreiung aus Aegypten mangelte Israel in der Wüste jede Nahrung. Die Bibel berichtet, wie das Volk auf wunderbare Weise ernährt wurde. Aber die Grundsätze, die oben als für die biblische Anschauung in Zeiten der Hungersnot geltend bezeichnet wurden, kommen auch hier beim wunderbaren Regnen des Mannas zum Vorschein. Dazu kommt, daß den Ernährten das Bewußtsein eingeimpft wurde, die gegenwärtige Ernährung sei nur ein Notbehelf zur Vermeidung einer Hungersnot, bedeute nicht ein paradiesisches Leben, sondern nur ein Erhalten im Notstände. „Und er quälte dich, ließ dich hungern und gab dir dann das Manna zu essen" (Deut. 8, 3). Aus diesem Grunde sehen wir ja auch, daß man sich gegen eine derartige Ernährung auf die Dauer auflehnte. Die Bibel aber bezeichnet das Manna als eine Speise, mit der man sich in schönster Weise erhalten kann, und verurteilt daher das Verlangen nach Fleisch auf das entschiedenste. In .Notzeiten müßte eine Speise genügen; bei dem Fettgehalte des Mannas wäre Fleisch überflüssig. Alle Bevölkerungsschichten werden bei der Versorgung mit Speise gleichmäßig berücksichtigt. „Das ist, was der Ewige geboten: Sammelt davon ein jeglicher seinen Essern entsprechend, ein Omer für den Kopf, nach der Zahl der Seelen, die. ein jeglicher in seinem Zelte hat, sollt ihr.nehmen. .'Und.so taten die Kinder Israel und sie.sammelten einer viel und der andere wenig. Sie maßen mit dem Omer, da hatte gesammelt ein jeglicher soviel er atz" (Ex. 16, 16—18): Dieses gleiche Maß für alle setzt eine strenge Kontrolle vor<rus, wodurch ein Mehrnehmen als ein Amer vermieden-würde. Wie