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Im deutschen Reich · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. 12

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Article
Biblisch-talmudische Fürsorgebestimmungen bei nationalen Notständen und Deutschlands Volksernährung im Kriege
Date
1916-01-01
Page
12 (sequence 9)
Language
German
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12 Im Deutschen Reich, flüssige Getreide müsse verkäuflicherweise an den Staat ab» geführt werden. Jeder anderweitige Verkauf war verboten. In einer Anordnung wird das Volk Aegyptens angewiesen: „Man sammle alle Nahrungsmittel der kommenden guten Jahre, man speichere unter Pharaos Hand das Getreide als Nahrungsmittel auf und bewahre es." (ebend. 41, 35). Dieser Aufforderung wurde auch in weitestem Matze Folge geleistet. „And er sammelte alle Nahrungsmittel, die in Aeg-pten waren, und gab Nahrungsmittel in die Städte; die Nahrungsmittel des eine Stadt umgebenden Feldes gab er in sie" (V. 48), Eine fernere Aehnlichkeit zwischen dem Verfahren Josephs und Len gegenwärtigen staatlichen Maßnahmen ist die Bewahrung und die Verteilung der vielen angesammelten Nahrungsmittel. Wie heute die Kriegsgetreidegesellschaft nicht nur alles zeitweilig zu erübrigende Getreide in Beschlag nimmt, um es für später aufzubewahren, sondern auch die Verteilung dieses Brotkorns vorsieht, so hat auch Joseph die alleinige Verteilungs des Korns übernommen, „lind das ganze Land Aegypten hungerte; das Volk schrie zu Pharao um Brot, und Pharao sprach zu allen Aegyptern: gehet zu Joseph, was er euch sagt, tut" (V. 59). Die Bibel hebt dann noch drei Maßnahmen hervor, die Joseph zur Versorgung des ägyptischen Volkes getroffen hat. Um die ganze Bevölkerung richtig versorgen zu können, ordnet Joseph an, alles Landvolk müsse nach den Städten ziehen. „Und das Volk versetzte er in die Städte, von einem Ende Aegyptens bis zum anderen" (ebend. 47,21). Ein ähnlicher Vorgang wird aus dem Jahre 1199, als in Aegypten ebenfalls eine große Hungersnot ausgebrochen war, von einem Augenzeugen berichtet. „Die Bewohner der Dörfer und des Landes zogen in die Städte" (angeführt bei Ioh. Uryuhart, die neueren Entdeckungen und die Bibel II. S. 139). Um ferner mit dem aufgekauften Vorrat in den sieben Hungersjahren auszukommen, verkauft Joseph nur kleine Mengen. „Und die Hungersnot war über dem ganzen Erdstrich, Joseph öffnete alle Räume, in welchen Vorrat war und verkaufte im einzelnen den Aegyptern; die Hungersnot nahm aber immer mehr im Lande zu. Und von überall her kam man nach Aegypten, im einzelnen zu kaufen, denn die Hungersnot war überall stark" (41, 56 f.). Nach einer talmudischen Ansicht wurde nur an selbständige Männer und nicht an Sklaven verkauft, denn sonst könnte ein jeder fünfzig Sklaven schicken, ebenso durfte ein jeder nur ein Lasttier bei sich haben (angeführt bei Hirsch, Komment, zur Genesis 41. 96). Joseph machte zwischen arm und reich keinen Unterschied; nur ein bestimmtes Maß erhielt jeder. Selbst sein Vater und

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