Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Article
- Biblisch-talmudische Fürsorgebestimmungen bei nationalen Notständen und Deutschlands Volksernährung im Kriege
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 10 (sequence 7)
- Language
- German
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10 Im Deutschen Reich. vor einer Zwangszahlung, wodurch in vielen Fällen ein gänzlicher Zu^aurmenbrnch erfolgen würde, bewahren wollte. Denselben Zweck verfolgt auch ein staatliches Moratorium: die un* günstigen Verhältnisse verhindern zeitweilig die fällige Zahlung, eine Zwongszahlung würde den Ruin bedeuten. Das älteste Moratorium findet sich demnach in der Bibel. Die Erlaß- und Iubeljahreinrichtung sieht auch vor, daß jedes Dienstverhältnis aufgelöst wird, der Sklave und die Magd frei hinausgehen und die Felder zu dem ersten Besitzer znrückkehren. Diese. Bestimmungen des Jubel- und Erlaßjahres beweisen, daß die biblische Gesetzgebung auch eine gewisse soziale Ausgleichung anstrebt. Das Gesetz von dem Schuldenerlaß ist ein unzweideutiger Beweis gegen die Annahme, das Judentum begünstige den Kapitalismus. Rach kapitalistischer Anschauung ist ein regelmäßiger Schuldenerlaß nach je sieben Jahren eine Aumöglichkeit. And dabei wird in der Bibel noch die Mahnung ausgesprochen: „hüte dich, daß nicht sei in deinem Herzen ein niederträchtiger Gedanke, daß du sprechest: cs nahet das siebente Jahr, das Jahr des Erlasses, und daß dein Auge mißgünstig sei gegen deinen dürftigen Bruder und du ihm nichts gebest: und er über dich zum Ewigen rufe und an dir eine Sünde sei. Geben sollst du ihm und laß beut Herz nicht verdrießen intern du ihm gibst, denn dessentwilleu wird der Ewige, dein Gott, dich segnen" (Deut. 15, öf.). Die biblische Pflicht, jedes siebente Jahr die Schulden zu erlassen, bestand übrigens nur so lange, als alle zwölf Stämme Israels auf palästinensischen Boden wohnten, weil dort ein jeder Grundbesitzer war. Rur als Erinnerung an die ehemaligen landwirtschaftlichen Verhältnisse wird dieses Gesetz noch vielfach beobachtet. Das soziale Bestreben, das bei den erwähnten Maßnahmen sestgestellt werden kann, ist auch dort bemerkbar, wo es sich nicht um regelmäßig wiederkehrende Erscheinungen handelt, sondern nur um Folgen gewisser, nicht ganz zu vermeidender Landplagen. So berichtet die Bibel, wie Joseph gegen die drohende Hungersnot in Aegypten Fürsorge getroffen hat. Auch hierbei läßt sich feststellen, daß in der Familie Jakobs gegen eine Volksverarmung Einrichtungen bekannt waren, die den gegenwärtig von Deutschland durch den Krieg geschaffenen Einrichtungen ähnlich sind. Wir sehen nämlich, wie Joseph Anstalten trifft, um das Land Aegypten vor einer Katastrophe zu bewahren. Aegypten, in gewöhnlichen Jahren eine der reichsten Kornkammern der Welt, pflegte viel Getreide auszuführen. Nun fürchtet Joseph eine kommende Hungersnot. Er sammelt daher in den vorangehenden Jahren alles irgendwie zu erübrigende Getreide. „And er sammelte alle Speise in den Sättigungsjahren, die in Aegypten waren." „And Joseph sammelte Getreide wie