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Im deutschen Reich · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. 6

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Article
Biblisch-talmudische Fürsorgebestimmungen bei nationalen Notständen und Deutschlands Volksernährung im Kriege
Date
1916-01-01
Page
6 (sequence 3)
Language
German
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0 Im Deutschen Reich, Heiden bekannt. So sagten die Diener zu dem in Gefangen» schaft geratenen syrischen König Ben-Hadad: „Wir hörten, daß die Könige Israels gnädige Könige sind: wir wollen daher um Gnade bitten" (I- Kön. 20,31). Jur einen Gesetzgeber, der derartige Gesinnung selbst den Feinden gegenüber fordert, stehen Maßregeln gegen einen Aushungerungskrieg außerhalb seiner Denkungsweise. Wenn die Feinde Israels sich an die Gesinnung nicht kehrten und Israels Städte nnd Festungen iinmer wieder auszuhniigern suchten, so betrachtet die Bibel dieses Verhalten als eine besondere Slrafe Gottes, gegen die nur ein Mittel existiert: die Aückkehr. Daher sind für einen einfachen Krieg Maßnahmen gegen eine Aushungerung nicht vorgesehen. Die gleiche Wahrnehmung konnte:! wir zu Beginn des jetzigen Krieges in Deutschland inachcn. Deutschland stand anfangs des Krieges verschiedenen volkswirtschaftlichen Schwierigkeiten gegenüber. Ein Aeichs» gesetz, das die Volksversorgung regeln sollte, war nicht vorhandeln. Auch der deutschen Gesinnung und der humanen Auffassung des deutschen Volkes stand ein Aushungerungskrieg völlig fern. Wie aber das deutsche Volk seinen Widerstand und seine Stoßkraft durch keine feindlichen Aushungerungspläne sich verringern ließ, so handelte auch Israel. Die Bibel berichtet, daß kein Hunger und keine Leiden Israels Kraft auf den Schlachtfeldern zu beugen vermocht haben. Jur Zeit dps israelitischen Königs Ioram belagerte der syrische König Ben-Hadad Samaria. Hierbei heißt es: „Es war eine große Hungersnot in Samaria — und sie belagerten es — bis ein Lselskopf achtzig Silberstücke und ein viertel Kab Taubenmist fünf Silberstücke kostete. Und 'eine Frau sprach: Meine Freundin sagte zu mir: gib mir deinen Sohn und wir wollen ihn heute essen, und meinen werden wir dann morgen verzehren" (II Kön. 6, 25 ff.). Und trotz dieser ungeheuren Hungersnot ergab sich die Stadt Samaria nicht. Lin ähnlicher heldenhafter Widerstand wird von den Verteidigern Jerusalems berichtet. Der assyrische König belagerte Jerusalem und ließ die Besatzung zur Uebergabe auffordern. Er meinte, „die Verteidiger sind schon so weit gekommen, daß sie ihren Auswurf essen und ihren Harn trinken" (II. Kön. 18, 27). Und trotz dieser verzweifelten Lage harrte Israel solange aus, bis der Sieg ihm zuneigte. Jerusalem blieb in den Händen der Verteidiger. Für den Standpunkt der Bibel kommt noch folgendes in Betracht. Palästina war ein reich gesegnetes Ackerland, in dem feindliche Aushungerungspläne nur an einzelnen Stellen Erfolg hatten. Palästina, als die Brücke zwischen Babylonien und Aegypten, erhielt von diesen ersten Kornkammern der Welt immer Zufuhr.

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