Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Article
- Biblisch-talmudische Fürsorgebestimmungen bei nationalen Notständen und Deutschlands Volksernährung im Kriege
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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Biblisch-talniudische Fürsorgebestimmungen usw. 5 die feindlichen Heere zu schlagen vermag, sondern auch Deutschlands Staatslenker gerade auf dem friedlichen Gebiete An'über» troffenes leisten. Wir denken zuerst an die Einrichtung der Brotkarten, bei der alle Stände ohne Unterschied das völlig gleiche Recht genießen, wie auch den- Begüterten Sparsamkeit gelehrt wird, damit das vorhandene Brotkorn für die ganze Bevölkerung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt hinreiche. Wir glauben, für diese treffliche Einrichtung eine genaue Parallele in der Bibel Nachweisen zu können. Die völlig gleiche Verteilung von Brotkorn in Notstandszeiten kennt die Bibel ebenso wie andere gegenwärtig das Volkswohl fördernde Maßnahmen. Daß die Bibel ferner für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Kämpfer weiteste Fürsorge getroffen hat, braucht nicht nachgewiesen zu werden: das Armen-, Witwen- und Waisengesetz der Bibel ist einzig in seiner Art. Wie suchte die Bibel die durch Notstände bedrohte Volksernährung zu sichern? Israel war, solange Palästina als selbständiger Staat dastand, an vielen Kriegen beteiligt. Auch sind der biblischen Zeit Aushungerungskriege keineswegs fremd. Die Völker und Israel suchten sich mit diesem Mittel zu bekämpfen. „Und wenn Israel aussäte, da kamen Midian, Amalek und. die Söhne des Ostens und zertraten die Saat. Sie lagerten darauf und vernichteten den Ertrag des Bodens bis nach Asa und sie ließen kein Lebensmittel in Israel, Lamm, Ochs und Esel." (Iud. 6, 3 ff.). „Und Israel ritz die Städte Moabs nieder und in jeglichem guten Acker warf ein jeder seinen Stein, daß sie ihn füllten, und jegliche Wasserquelle verstopften sie und jeglichen guten Baum fällten sie" (II. Kön. 3, 75). Maßregeln findet man nicht in der Bibel» gegen derartige Aushungerungskriege; denn gegen feindliche Zerstörungswut gibt es nur ein Mittel: ein schlagfertiges Heer, dos die Eindringlinge aus Land und Stadt vertreibt und die Landesgrenze bewacht und beschützt. Aber ein Gesetz hat die Bibel doch gegen eine feindliche Zerstörung erlassen: es verbietet nämlich, daß Israel gegen die Gegner so handelt. Nur in der Abwehr sollte Israel Vernichtungen auf feindlichem Boden vollbringen. „Wenn du eine Stadt lange Zeit belagerst, um sie zu bekriegen, sie einzunehmen, so vernichte ihr Gehölz nicht, daß du dagegen di« Axt hebst: denn du kannst ja davon essen, haue den Baum nicht um» denn ist der Baum des Feldes ein Mensch, daß er vor dir in Belagerung komme? Nur ein Baum, von dem du weißt, daß er kein Fruchtbaum ist, den magst du vernichten und umhauen und Belagerungswerke gegen die Stadt bauen, die mit dir Krieg führt, bis sie gefallen" (Deut. 20, 19 f.). Diese Humanität Israels war auch unter de»