Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1915-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1915) · p. 220

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1915)
Article
Dem Andenken zweier Getreuer
Date
1915-10-01
Page
220 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316851-2316856-2350118--25736-2350241
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

220 Im deutschen Reich. In höllisch-geiler Bosheit angesagt. Zu welchem Zweck? — Um Krämer zu bereichern Goldhungrigen hequemen Raub zu sichern. .Aufflammt es da in heiligem Volkeszorn. Wie sollt' ich anders da wohl fühlen, denken Als meines Volks begeisterteste Söhne, Mir, dem so heilig stets die deutsche Art? Wie sollt' es nicht im tiefsten mich empören, Daß man das deutsche Wesen so verlästert, Ja Schuld ihm gab die gräßlichsten der Greuel,- Mt niedriger Verleumdung seinen Adel Hinab in Staub und schmutz'ge Pfütze zog. Drum war es mir Befreiung, nicht Beschwerde, Als mich das Los den Kämpfern zugesellte, Die rächen sollten Tücke Lug, Verrat, Verteid'gen deutschen Geistes herrlich Wirken, Verleid'gen deutschen Wohlstands reiche Blüte, Vorkämpfer sein für Weib und Kind und Heimat, Sie schützen gegen asiat'sche Horden, Die Tigerbrut, die uns'res Ostens Fluren Mt Frevel über Frevel schon geschändet; Welch hehres Glück! — Drum zog ich freudig aus,- ’ Gin Deutscher, Deutschlands Grenzen zu beschützen. — Und noch ein zweites trieb mich in den Kampf. Ein Jude bin ich, allzeit treu ergeben Dem Stamm, aus dessen Blute ich entsprossen, In Friedenszeiten sprach wohl der und jener Verächtlich von der Juden Art und Wesen, Man schalt ihn feig, unkriegerisch, schalt ihn Des Lebens hohen Zielen ab gewandt, Gemeinem Nutzen nur ergeben, selbstisch. Ja, schalt ihn — dieses war der härteste. Der ärgste Schimpf, er traf wie Peitschenhieb — Fremdling auf jenem Boden, den die Väter Mit ihrem Schweiß schon, ihrem Blut gedüngt. — Jetzt griff mir tief ans Herz die Not der Zeit. Ein Wille eint, ein einz'ger heil'ger Drang, Eine Begeistrung, Juden und Germanen. Daß deutsch wir sind — nicht braucht es des Beweises. Die Wahrheit liegt jetzt sonnenhell zutage. Da froh, aus eig'nem Trieb die Juden sich Um ihres Vaterlandes Fahnen. )^axm. Mir zu gewinnen — sei's, wenn fällt das Los, Auch mit dem eig'nen Blut — das Vaterland, Das mir wie meinen Brüdern, leider, leider Gar vielfach ein Stiefvaterland gewesen, Das war mein fester, wohlerwogner Wille. Jetzt wird sichs zeigen, daß wir niemals unwert Des Vaterlands gewesen, das wir lieben. Daß es zu unrecht uns hintan gesetzt, Und daß wir tapfer sind, Wenns gilt, den Feind Zu schlagen, wie einst vor Jahrtausenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.