Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1915)
- Article
- Reformanstalten, jüdische Schüler und Oberlehrer
- Date
- 1915-10-01
- Page
- 215 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316851-2316856-2350115--25727-2350236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-)Neformänstalten, 'Schüler und jüdische Oberlehrers 215 Gymnasium zu 'Berlin je An Lehrer wirrte „der treu geblieben ist dem Glauben seiner Väter", wird hämisch hervorgehoben und bei dem Frankfurter Lehrer in einer beinahe pöbelhafen Weise bemerkt (S. 97). Dieser Lehrer habe auch die Verwahrung des Ministers Bethmann-Kollweg, Räumers Nachfolger, zur Wahrheit gewachst der zu Wiese gesagt haben soll: „Juden in christliche Schulen, nimmermehr! Sie würden garnicht anders können, als auch aus dem Lehren ein Geschäft zu machen. Wenn sie sich uns wirklich in das Lehramt eindrängen sollten, würde ich lieber mein Ministerium aufgeben." Anter gewöhnlichen Umständen würde es sich erübrigen, diesen Ausführungen des Herrn Groh noch ein Wort hinzuzufügen; man könnte dem Verfasser seine eigenen Worte (S. 3) entgegenrufen: „Die beste Abwehr ist: Tiefer hängen!" Eine, wenn auch kurze Richtigstellung der Ungeheuerlichkeiten erscheint indes erforderlich, um den Gesinnungsgenossen dieses Herrn den Vorwand zu nehmen, als ob seine Darlegungen nhdß widerlegt werden könnten und deshalb unwiderlegt geblieben seien; zudem ist nur in einer der Besprechungen, die das Grohsche Pamphlet erfahren hat, die empörende konfessionelle Verhetzung, die der Verfasser treibt, gebührend gerügt worden. Der verhältnismäßig große Prozentsatz jüdischer Schüler in einigen Resormanstalten findet seine einfache Erklärung, wie dem Verfasser ein oberflächlicher Blick in die von ihm selbst aufgestellten Verzeichnisse hatte zeigen können, in der Tatsache, daß diese Schulen sich in Großstädten befinden, in denen der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung bekanntlich größer als in kleinen Orten ist. Wenn Herr Groh die Behauptung ausstellt, daß das Goethe- Gymnasium zu Frankfurt a. M., die Kaiser Friedrich-Schule in Charlottenburg und das Französische Gymnasium zu Berlin von den „Söhnen der jüdischen Geldaristokratie" bevorzugt werden, dann hätte er zum Beweis den Prozentsatz, jüdischer Schüler in den anderen höheren Schulen derselben Großstädte heranziehen müssen: Er würde dann freilich die Entdeckung gemacht haben, daß z. B. in Schöneberg, Posen und Königsberg der Prozentsatz der jüdischen Schüler gerade in den Anstalten alten Stils ein viel größerer ist! — Ebenso leichtfertig und unbegründet ist eine zweite „Feststellung" des Verfassers, daß die jüdischen Eltern ihre Söhne deshalb den Resormanstalten zuführten, weil hier besondere Milde bei Der Versetzung geübt werde (S. 5) und die schwachbegabten jüdischen Gymnasiasten leichter an ihnen zunl Ziel gelangen als in den oberen Klassen anderer Anstalten. Als Beweis für seine Behauptung führt er u. a. die Verhältnisse am Goethe-Gymnasium zu Frankfurt a. M. an, wo von 37 Abiturienten des Jahres 1901 nur 17 Schüler von Sexta an in der Anstalt herangebildei worden seien, dagegen 9 das Gyrnna-