Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1915)
- Article
- Reformanstalten, jüdische Schüler und Oberlehrer
- Date
- 1915-10-01
- Page
- 214 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316851-2316856-2350115--25726-2350235- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
214 Fm Ifeutfdfjert Reich. Für und Wider sorgfältig abwog. Zu nicht geringer Verwunderung, aller Fachgenossen erscheint nun gegen diesen Plan gerade in der schwersten Zeit, die unser Vaterland durchlebt, in welcher die politischen und religiösen Gegensätze von allen Deutschen zurückgestellt werden, eine Schmähschrift von dem Krotoschiner Oberlehrer Professor Groh, wie sie die pädagogische Welt seit Jahrzehnten nicht aufzuweisen hat.*) In dem blinden Grimm gegen den ihm ausgedrungenen verhaßten Lehrplan versteigt sich der Verfasser zu offenen und versteckten Angriffen namentlich gegen den Ärheber und die hauptsächlichen Verfechter des neuen Lehrplans, wie man sie bei einem gebildeten Mann, und zudem bei einem Amtsgenossen, nicht für möglich halten sollte; Geheimrat Reinhardt z. B. stelle in dem Plan „alle Grundsätze einer vernünftigen Pädagogik aus den Kopf" (S. VII), man könne von ihm lernen, wie man für seine Anstalt Reklame machen muß (S. 76) t Die Objektivität, ja Sachkunde von Männern, die in pädagogischen Kreisen Ansehen und Verehrung genießen, wie Matthias, Kaiser, Ziehen, wird wiederholt angezweifelt; den Verfassern der Parallelgrammatiken wird ziemlich unverblümt — die beiden Direktoren des Goethe-Gymnasiums bilden allein eine Ausnahme — der Vorwurf eigennützigen Interesses gemacht (S. 13, 46 u. 47), ja selbst gegen König und Rnterrichtsminister werden hämische Bemerkungen geschleudert (S. IV, 98). Bei seinem Wüten gegen den Lehrplan entpuppt sich der Verfasser auch als Antisemit. Da er beim besten Willen nicht beweisen kann, daß der verhaßte Reformplan den Juden seinen Ursprung verdankt, so muß er wenigstens ihre „Geschäfte" fördern helfen; den Kreisen „von internationalen Beziehungen" liegt daran, daß ihre Söhne leichter und schneller als in anderen Anstalten die Sprache der grande nation verstehen lernen (S. XII), die Eltern der jüdischen Schüler machen von der Uebergangsmöglichkeit zu den Reformgymnasien den meisten Gebrauch und senden ihre Herren Söhne, die aus den oberen Klassen des alten Gymnasiums nicht fortkommen, in die Gymnasien neuer Art (S. 16). Mit fettem Druck u Xd bei den meisten Reformanstalten „das starke jüdische Element" (S. 35) besonders hervorgehoben; von den Abiturienten einiger Reformanstalten, die sich der klassischen Philologie zuzuwenden gedachten, werden allein die Juden durch Zusatz ihrer Religion gekennzeichnet (S. 55 f.); daß am Goethe-Gymnasium zu Frankfurt a. M. und dem Französischen *) Prof. Dr. Kurt Groh: Ist der Versuch der preußischen Anterrichtsverwaltung, den Frankfurter Lehrplan auf das Gymnasium zu übertragen, geglückt? Ein Wort zur Aufklärung. Verlag von <L Bertels rrmnu, Gütersloh. 1915,