Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1915)
- Article
- Deutschland und die Ostjudenfrage
- Date
- 1915-10-01
- Page
- 212 (sequence 18)
- Language
- German
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212 Fm deutschen Reich. So ist es mit diesem Lösungsversuche nichts. Der Zionismus ist keineswegs ein taugliches Mittel, das die Härten der Grenzsperre und einer Beschränkung der Freizügigkeit in nennenswertem Maße lindern könnte. Der einzige Weg, der allen Teil enge recht wird, ist und bleibt der von derdeutschenIudenheitempfohlene. And wir dürfen hoffen, daß unsere Erwartungen nicht getäuscht werden. Zu der Besonnenheit und der Klugheit der gesetzgebenden Körperschaften kann man das Vertrauen haben, daß sie die schweren Folgen jeder Ausnahmegesetzgebung übersehen, und von den meisten politischen Parteien, ganz sicherlich vom Zentrum und der gesamten Linken, ist — wie bereits erwähnt — als sicher anzunehmen, daß sie solchem Beginnen schon aus dem Grunde nicht die Hand reichen werden, um nicht für die Zukunft Präzedenzfälle zu schaffen. Ebenso freudig dürfen wir aber auch an jene Kundmachungen erinnern, mit denen sich die Führer der verbündeten Heere beim Aeberschreiten der Grenzen an die Ostjuden gewandt haben. Mit klaren Worten, die kein Deuteln zulassen, ist ihnen versprochen worden, daß die Herrschaft der Gewalt und des Anrechts ein Ende habe und daß ihnen Freiheit und Erlösung lbeschieden werde. Sie wurden vor allem ermahnt, den einrückenden Truppen Vertrauen zu schenken. Das Vertrauen ist nicht getäuscht worden. Den Worten sind Taten gefolgt, wirkliche Taten, die die besten Aussichten eröffnen. So ist ungeordnet worden, daß in den neuerrichteten Selbstverwaltungen der Städte die Juden nach ihrer Zahl Anteil an der Leitung zu beanspruchen haben, und in vielen Hunderten von Einzelfällen sind ähnliche Verfügungen getroffen worden, aus denen der gute Wille unverkennbar hervorgeht. Wir dürfen zuversichtlich hoffen, daß dieser Geist des Wohlwollens und der Gerechtigkeit den Friedensschluß überdauern wird. Inmitten einer Welt von Lüge und Heuchelei zeichnet sich ja die Politik der verbündeten Zentralmächte durch Wahrheitsliebe und offene Ehrlichkeit aus. Die Verheißungen de? Heerführer werden keineswegs bloße Lockmittel, keine leeren Worte fein, die der Wind verweht. Eine Wiederholung der rumänischen Iudenpolitik ist von Deutschland nicht zu befürchten. And wir dürfen ja der Einsicht auch der Negierung um so mehr vertrauen, als sie mit der Befreiung der Ostjuden' nicht nur ihrer Kulturhöhe ein bleibendes Denkmal setzen, sondern auch im wohlverstandenen Interesse des Deutschtums handeln wird. Vor etwas wehr als hundert Jahren wurden die Juden Preußens erlöst. Ihren Dank haben sie durch selbstlose und aufopferungsvolle, aber auch erfolgreiche Mitarbeit an der großen deutschen Kultur abgestattet. Ebenso würdig werden sich auch die Juden Polens der errungenen Freiheit erweisen. Die Geschichte des kommenden Jahrhunderts wird denen Recht geben,