Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1915)
- Article
- Deutschland und die Ostjudenfrage
- Date
- 1915-10-01
- Page
- 211 (sequence 17)
- Language
- German
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Deutschland und die 'OchLjudenfrag'e. 211 scheu Masseneiuwanderung noch gar von einer rechtlich gesicherten Heimstätte) dem Keim zu einem Audenstaate, etwas wissen wollten. And daß die Türkei nach dem Kriege, der ihr hoffentlich eine ansehnliche innerliche Stärkung bringen wird, noch weniger als je geneigt sein mag, in einem der strategisch wichtigsten Teile des Reiches eine geschlossene Macht von Einwanderern zu dulden, die zu nationalen Selbständigkeitsansprüchen eine gewisse Neigung haben könnten, mögen politische Kinder leugnen. Fritz tut das alles mit einer Handbewegung ab. Er macht es mit der Anpreisung des Zionismus sich und dem Deutschen Reich, sehr leicht. Auch der verständig denkende Zionist wird aber keineswegs meinen, daß seine Bewegung den Zweck habe, den Westmächten bei der Lösung der Ostjudenfrage die Arbeit und die Verantwortung abzunehmen und das Gewissen zu erleichtern. And so weit die Stimmen der Rationaljuden bisher zu vernehmen sind, stehen sie der Begeisterung, die Fritz dem Zionismus entgegenbringt, recht kühl und skeptisch gegenüber. Rur ein einziges Blatt, das aber auch sonst durch seine Entgleisungen unrühmlich bekannt ist, nennt die Schrift „einen ernsten Versuch, an der Erlösung der Juden von seelischer und körperlicher Rot Mitzuarbeiten" und heißt sie willkommen. Aber trotzdem sieht es sich gezwungen, die Voraussetzungen abzulehnen, und mit ihnen fallen doch wohl auch die Ergebnisse und Forderungen. Wenn Rassentheoretiker für den Zionismus eintreten, ist Mißtrauen immer am Platze. Ob nicht auch Fritz den deutschen Juden nur deshalb diese Richtung so angelegentlich empfiehlt, weil er vielleicht hofft, daß sie sich innerlich zum jüdischen Rationalismus bekehren und die Folgerungen ziehen, daß sie entweder einen Kulturgegensatz zwischen „deutsch" und „jüdisch"' als vorhanden und als unüberbrückbar anerkennen oder gar durch Verlassen des Landes zur Stärkung des rassenreinen „Germanentums" beitragen? Es ist nichtunwahrscheinlich. Sicher spielt aber dieser Grund bei den meisten, die in unseren Tagen die Ostjudenfrage aus zionistischer Grundlage zu lösen empfehlen, eine ebenso gewichtige Rolle wie die Rücksicht auf den polnischen Antisemitismus! Obgleich ihm die äußerliche Organisation fehlt, ist doch der Judenhaß international. Wenn in allen christlichen Stimmen, die sich haben vernehmen lassen (mit der einzigen Ausnahme des Artikels von Grabowsky im „neuen Deutschland"), auffallenderweise mit keiner Silbe von dem ganz naheliegenden und selbstverständlichen Wege die Rede ist, die Juden in ihrer jetzigen Heimat zu befreien und zu heben, so steckt wohl kaum etwas anderes hinter diesem befremdenden Amstand, als der Wunsch, den polnischen Antisemiten einen Gefallen zu erweisen, die aus ganz durchsichtigen, egoistischen Gründen es mit Freuden begrüßen würden, wenn die Iudenheit ssS Polen verschwände.