Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1915)
- Article
- Deutschland und die Ostjudenfrage
- Date
- 1915-10-01
- Page
- 200 (sequence 6)
- Language
- German
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200 Fm deutschen Reichdie Wünsche eines Fritz viele Freunde gefunden, und es sind nicht wenige, die ihm freudig zugestimmt haben, als der Gedanke eines Einwanderungsverbots zuerst erörtert wurde. Aus Gesprächen und Briefen, die besonders vom östlichen Kriegsschauplatz kommen, wissen wir, daß es nicht die schlechtesten sind, die sowohl die Interessen des Vaterlandes wie des deutschen Judentums für ernstlich bedroht halten und keinen anderen Ausweg sehen. In so schwerwiegenden Fragen darf man aber seine Arteile nicht von augenblicklichen Verstimmungen und einem flüchtigen Einblick in die Verhältnisse der Ostjuden, die zudem jetzt in der KriegszeiL ein ganz verzerrtes Bild ergeben, abhängig machen, und besonders muß man sich davor hüten, einzelne ungünstige Erfahrungen zu verallgemeinern. Den Juden insbesondere, die also verfahren, müssen die Augen geöffnet werden, damit sie erkennen, woher die wirkliche, große Gefahr in Wahrheit droht. Die feste Grundlage eines jeden Staates — auch Selbstverständlichkeiten muß man zuweilen wiederholen — ist das Recht! Ausnahmegesetzen selbst in noch so versteckter Form zuzustimmen, ist ein höchst gefährlicher Schritt auf abschüssiger Bahn. And die eigentlichen Leidtragenden wären in diesem Falle wir deutschen Juden! Mögen es vielleicht wirklich in erster Reihe die übertriebenen wirtschaftlichen Besorgnisse sein, um derentwillen man die polnischen Juden anders behandeln will, schließlich geschieht es doch nur, weil sie Juden sind, und das würde auf unsere Stellung weit ungünstiger zurückwirken als ihr Hereinströmen. Gewiß haben wir im Leben noch nicht die Höhe erreicht, die unserem Rechtsgesühl und der Würde eines Rechtsstaates entspricht, aber grundsätzlich nach dem Buchstaben der Verfassung steht die Gleichheit aller Bürger unverrückbar fest. Ein Ausnahmegesetz gegen polnische Juden richtet sich nun gegen die Mitglieder einer bestimmten Religionsgemeinschaft, und bald würde es höchst gleichgültig sein, ob ausländisch oder einheimisch. Es würde sehrschnell in denAugen der Welt auch den deutschen Juden zu einem Bürger minderen Rechtes stempeln. Die Tatsache, daß ein Einbruch in das Bollwerk jüdischer Gleichberechtigung geglückt ist, würde unserem bürgerlichen Ansehen einen unheilbaren Stoß versetzen, würde unsere Selbstsicherheit völlig untergraben und würde jenen Leuten die Wege weisen, die längst mit solchen Gedanken gespielt haben. Rur der erste Schritt kostet Aeberwindung, und er würde den Appetit, gewaltig steigern! Schon heute hat auf die Vorschläge der Fritz'schen Schrift hin die wirtschaftliche Vereinigung den Mut besessen, dem Reichskanzler einen Antrag aus Sperrung der Reichsgrenzen zu unterbreiten. Welches würden die Folgen sein, wenn er — gar mit Zustimmung der Juden — zum Gesetze erhoben würde! Die klugen Leute, die da meinen, man müsse fern Leu WMd KMen^rrrld. Wr die SMderr