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Im deutschen Reich · 1915-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1915) · p. 198

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1915)
Article
Deutschland und die Ostjudenfrage
Date
1915-10-01
Page
198 (sequence 4)
Language
German
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198 Fm deutschen -Reich. scheuen, und sie bedeuten überdies für unser Vaterland und seine Bewohner keine besondere Schmeichelei. Wenn das starke deutsche Volk, das wirtschaftlich die festeste Macht der ganzen Welt darstellt, das so spielend die Erschütterungen des Weltkrieges zu Lberstehen vermag, nicht imstande sein sollte, eine Schar von Einwanderern — Fritz spricht allerdings ebenso wie viele andere mit unendlicher Uebertreibung von Millionen — aufzunehmen und nach passender Verteilung für seine Zwecke zu verwerten, so wäre das ein Zeichen von trauriger Schwäche; und wenn die Ostjuden tatsächlich auf irgendeinem Gebiete ein Uebergewicht oder gar eine Herrschaft erlangten, so würde es beweisen, daß sie geradezu ein Heer von Genies bildeten und nicht eine Gruppe von „armen, leiblich und sittlich verkümmerten Menschen", wie sie auch von Fritz so gern genannt werden. Diese angeblichen wirtschaftlichen Gefahren werden unendlich überschätzt. In unserer Zeit der Aktiengesellschaften und der Großbanken noch davon reden zu wollen, daß die Juden das Wirtschaftsleben und den Geldmarkt beherrschen können, ist ein weltfremdes Verkennen der Wirklichkeit oder eine antisemitische Phrase. Bei genauer Untersuchung, welchen Einfluß polnische Einwanderer ausüben würden, bleibt höchstens eine;— gewiß sehr bedauerliche — Lohndrückerei übrig, die aber nur als eine vorübergehende Erscheinung zu bewerten ist, da die Juden sich überraschend schnell an die höhere Kulturlage und an größere Lebensansprüche gewöhnen. Es gibt heute in Rheinland und Westfalen wie in Hessen und Sachsen einen mäßigen Einschlag von Ostjuden. Man soll aber nur ganz ehrlich zugestehen, daß nennenswerte Schäden, geschweige denn Erschütterungen des Wirtschastskörpers, selbst in den kleinsten Gliedern, nicht eingetreten sind. Im Gegenteil! Wir treten der Politik der beteiligten Regierungen, die sich nie gegen die Ostjuden übermäßig entgegenkommend gezeigt haben, gewiß nicht zu nahe, wenn wir annehmen, daß sie diese Einwanderung erlaubt, in Einzelfällen — besonders in Sachsen — sogar begünstigt haben, weil das Wirtschaftsleben und damit die Kraft des Deutschen Reiches ihr erhebliche Vorteile verdanken. Ganze Industrien, deren Erträgnisse man in der Wirtschastsbilanz nicht gern missen würde, blühen durch die jüdischen Lohnarbeiter. Und es ist den vielen, die, ohne judenfeindlich zu sein, in diesem Punkte die antisemitischen Redensarten gedankenlos nach sprechen, dringend zu raten, sich durch eingehende Beschäftigung mit den Tatsachen von der Grundlosigkeit der wirtschaftlichen Besorgnisse zu überzeugen. Des weiteren weiß aber Fritz einen Grund anzuführen, der im ersten Augenblick wie ein seltsamer Widerspruch zu seinen sonstigen Anschauungen erschint. Den Grenzschluß fordert er nämlich auch im Interesse der deutschen Jude», die

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