Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1915)
- Article
- Deutschland und die Ostjudenfrage
- Date
- 1915-10-01
- Page
- 196 (sequence 2)
- Language
- German
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196 Im deutschen Reich. modernen jüdischen Literatur, soweit sie sein Gebiet berührt, die man bei den meisten anderen christlichen Beurteilern jüdischer Fragen oft vermißt. Ton und Form der Aeußerungen verraten sein Streben nach Objektivität, und es wäre durchaus unbillig, das zu verkennen und ihn wegen seiner Ergebnisse und Anschauungen mit dem bequemen Schlagwort abzutun, er sei ein Antisemit. Die Forderungen, die Fritz mit Nachdruck vertritt und die auf völligen Grenzschluß Hinzielen, ergeben sich logisch aus seiner Stellung zur Nassen-- und damit auch zur Iudenfrage. Er verficht die Rassentheorie ganz nach der Auffassung Chamberlains, und so urteilt er aus jener schroffen Voreingenommenheit heraus, die für die politischen und volkswirtschaftlichen Veröffentlichungen seiner Gesinnungsgenossen so kennzeichnend ist. Gewiß fehlt ihm die Roheit und Maßlosigkeit im Anteilen und Wünschen, wie sie ein Fritsch oder Staufs in so reichem Maße besitzen. Er weiß sehr wohl den Wert und die Verdienste des Judentums im deutschen Wirtschaftsleben herauszufinden und zu würdigen. Er verkennt auch keineswegs, daß das deutsche Volk keine Rasseneinheit aufweist und daß in der Vielseitigkeit seiner Kultur, zu der Slawen, Kelten und Juden erheblich beigetragen haben, sogar ein großer Vorzug liegt. Freilich versetzt ihn fein Trachten nach Objektivität und Gerechtigkeit in manchen argen Widerspruch mit heiligen Dogmen der Rassentheorie. So rühmt Fritz nicht mit Anrecht, daß die Juden durch ihr Wirken in der Geldwirtschaft und der Handelswelt unserem Vaterlande die finanzielle Rüstung im Weltkriege geschaffen und sich dadurch ein großes Verdienst erworben haben, und fast im gleichen Atemzuge schilt er ihren verderblichen Materialismus! Reben solchen unbegreiflichen Gegensätzen tauchen leider auch alle herkömmlichen Phrasen unserer Rasseochetzer auf. Der Jude beherrscht die Presse, er beschränkt sich in der ZÄkstxeuung auf die geschäftliche Ausbeute wissenschaftlicher Berufe (!), er ist der geborene Vertreter der materialistischen Weltanschauung; und inmitten dieser guten, alten Bekannten steht die groteske Behauptung, die frisch aus dem „Hammer" übernommen sein könnte, daß der Deutsche „mit großer Sicherheit meist im Augenblick, stets nach kurzem Verkehr die fremde Art selbst in den Mischlingen" zu unterscheiden wisse. Auch die zionistischen Schriftsteller zieht Fritz heran, und gerade jene Aussprüche der Teilhaber und Goldstein, von denen wir stets geahnt haben, daß sie in gegnerischen Kreisen zur Berühmtheit gelangen würden, weiß er recht geschickt zu verwerten. So sehr steht er im Banne seiner vorgefaßten Meinungen, daß er selbst diesen Weltkrieg, der mit seinen widernatürlichen Bündnissen und Gegnerschaften doch ganz gewiß für die Rassentheoretiker vom Schlage Chamberlains einen vernichtenden Schlag bedeutet, in einen Rassenkrieg umdichtet, in dem das Germanentum gegen „Rassenbastarde