Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Article
- Rasse und Kultur
- Date
- 1915-08-01
- Page
- 150 (sequence 6)
- Language
- German
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150 Fm deutschen 'Reich. fehlt, sondern gerade der indischen, die Chamberlain als ein von Arierrr geschaffenes Gebilde so sehr preist. Im übrigen stimmen nach Hertz, und wir vermögen uns dieser Ansicht nur anzuschließen, alle religiösen Entwicklungen in ihren Uranfängen überein. — Mit köstlicher Ironie werden von Hertz die dürftigen Beweise abgetan, auf die Chamberlain seine berühmte Behauptung von der Zugehörigkeit des Stifters der christlichen Religion zum Ariertum stützt. Den Juden wird von Chamberlain auch die Gabe für Rechtsentwicklung abgesprochen; es fehle ihnen hierzu der „moralische Hintergrund". Hertz aber legt dar, einmal die alten Juden ein hochentwickeltes Rechtssystem besaßen, daß zum anderen aber die Unabhängigkeit der wichtigsten und durchgreifendsten Sozialreformen pon der Rasse ein unantastbares Axiom sei. Auch Rom habe sein weltumfassendes Recht nicht schon in feinen Anfängen in höchster Vollendung gekannt, sondern als die notwendige Folge des römischen Weltreiches habe sich das römische Weltrecht entwickelt. Es würde eine Lücke im Hertzschien Buche bedeuten, wenn er. nicht die Ursachen deutscher Kraft und deutscher Tüchtigkeit ergründet hätte, die von den Rassentheoretikern stets als das unmittelbare Ergebnis des germanischen Wesens-hingestellt werden. Auch hier sind es die Verhältnisse, die in langsamer Entwicklung dem Germanen die Fähigkeiten gegeben haben, die ihn heute vor den Angehörigen aller anderen Völker auszeichnen. Des Verfassers grundlegende Ansicht zur gesamten Rassenfrage kommt treffend zum Ausdruck in den Worten, mit denen er seine Darlegungen über den Rassencharakter der Germanen schließt: „Es fällt uns nicht ein, zu leugnen, daß den germanischen Völkern die vortrefflichsten Eigenschaften zukommen, die sie unbestritten an die Spitze der großen Kulturrassen stellen, wobei freilich das reiche Erbe der Antike und des alten .Orients und die fremden Einwirkungen von außen und die unschätzbare Mitarbeit zahlloser, der Abkunft nach „ungermanischer" Elemente im Innern nicht vergessen werden dürfen. Doch lall dies ist „geworden", in mühsamer Kulturarbeit errungen. Rur Torheit kann in allem Trefflichen germanisches Erbe, in allem Schlechten fremden Einfluß erblicken." Ansere Besprechung soll nicht geschlossen werden, ohne daß wir aus einen Punkt Hinweisen, den wir als einen Mangel, aber auch als den einzigen, im Werke unseres Verfassers emp-» finden. Hertz lehnt mit Recht den Rassenglauben vollkommen ab. Er verwirft jegliche LinwirkungsmöglichkeiL körperlicher Merkmale auf die geistige und seelische Bildung des Menschen. Dagegen steht er durchaus lauf idem Boden der Milieutheorie, die den Menschen darstellt als ein Ergebnis aller kulturellen, politischen, geographischen, klimatischen Faktoren, die seine