Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Article
- Rasse und Kultur
- Date
- 1915-08-01
- Page
- 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316851-2316855-2349913--25563-2350026- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rasse und Kultur- 151 Umgebung bedingen. Eine strenge Rassenscheidung kennt sie ebensowenig wie die ihr nahe verwandte soziologische Richtung, die die Rasse ebenfalls als rasch wechselndes) sozial-historisches Gebilde mrsieht. Ja, sie kann mit Fug und Recht als den die Rassenkonstanz lehrenden Rassentheorien gegnerisch bezeichnet werdend) Die Ansicht, die Hertz nun selbst vertritt, klingt zwar ständig aus seinen Erörterungen heraus; sie ist mit zwingender Rotwendigkeit als ein argumentum e contrario aus allen seinen Schlüsselzu folgern. Aber zum durchgreifenden Verständnis des ganzen Systems würde eine knappe, klare Zusammenfassung des Gesamtergebnisses, die zugleich die eigene Anschauung des Verfassers kristallisiert hervortreten ließe, eine wertvolle Bereicherung des Buches bedeuten. Ehamberlain hat es nicht für nötig befunden, auf die erste Auflage des Hertzscheu Werkes auch nur mit einem Wort zu entgegnen. Es ist bei dem Eigendünkel Cha.mberla.ins auch nicht.zu erwarten, daß er sich den neuerlichen wuchtigen Angriffen gegenüber verteidigt. Ilnd doch ist selten ein Schriftsteller mit einer solchen Schärfe unter Anklage gestellt worden. Erbarmungslos enthüllt uns Hertz das logische Wirrwarr, in dem sich Ehamberlain bewegt, und die beispiellose Unkenntnis, mit der er seine Schlüsse zieht. Ehamberlain pochte besonders stolz auf seine ausgedehnte Belesenheit: hier wird uns offenbar, wie der ,,arische Höhenmensch" — so nennt ihn einer seiner beter — seine Quellen sehr häufig nicht versteht, und wie er auch! nicht vor Fälschungen zurückschreckt, wenn es gilt, Belege für seine Behauptungen zu erbringen. Dabei verfährt Hertz unter Benutzung eines außerordentlich umfangreichen Materials mit einer Gründlichkeit und einer Wissenschjaftlichkeit, die ihm die Anerkennung aller, die sein Buch objektiv beurteilen wollen, sichert. Ein nicht zu unterschätzender Vorzug ist es auch, daß seine Schreibart in jeder Weise ansprechend geblieben ist. So hoffen wir, daß sein Werk seinen edlen Zweck erfüllen wird: Vernichtung soll es bringen einer Wahnidee, die geboren ist aus Haß und Lüge, und Bahn, soll es brechen der großen, reinen W a hr h e i t. _ * H Nichtsdestoweniger bedienen sich alle Rassentheoretiker .Hilfsweise der Milieutheorie. Auch Ehamberlain scheint neuerdings in der Erkenntnis, daß der Krieg die Haltlosigkeit seiner Lehren erwiesen hat, mitunter zu ihr zu flüchten. In seinen „Kriegsaussätzen" ü. Heft, S. 46) spricht er zur Ergründung des Nationalcharakters der Engländer einen Satz aus, der nichts weiter enthält als das Bekenntnis zur Milieutheorie: „Weit tiefer in den Vorgängen langer Jahrhunderte sind die Ursachen der Entwicklung zu suchen, die England dahin geführt hat, wo es heute steht. Es war dies eine der möglichen Entwicklungen der germanischen Menschenart; aus der Diagonale zwischen Geschichte und Charakter ist sie dort zur Tatsache geworden."