Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Article
- Rasse und Kultur
- Date
- 1915-08-01
- Page
- 149 (sequence 5)
- Language
- German
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SRaife und Kultur. 149 eine brauchbare Wissensquelle von praktischem Wert noch ein möglicher Unterbau für die weitere Rassenforschung." Den bei weitem größeren Teil seines Buches widmet Hertz auch dieses Mal dem Verfasser der „Grundlagen des XIX. Jahrhunderts", H. St. Chamberlain. Me Ergebnisse einer umfangreichen, tiefgründigen Forschung benutzt Hertz, um die Darlegungen Lhamberlains einer geradezu vernichtenden Kritik zu unterziehen. Ls kann im Rahmen dieser Besprechung auch nicht im entferntesten auf die Einzelheiten der wuchtigen Anklage eingegangen werden, die Hertz gegen Chamberlain erhebt. Rur einiges uns Juden besonders Berührende kann hier hervorgehoben werden. Es dürfte heute allgemein bekannt sein, daß das Kapitel der „Grundlagen des XIX. Jahrhunderts", das den Eintritt der Juden in die abendländische Geschichte behandelt und das die Hauptfundgrube für des Verfassers Ansichten über die Rassenfragen bietet, nichts weiter ist als ein von Judenhaßüberströmendes, in jeder Weise unwissenschaftliches, aber — wie das ganze Buch — glanzvoll geschriebenes und mit einer Anzahl von Zitaten verbrämtes Schriftwerk. Hertz sagt einmal von Chamberlain mit vollem Recht, daß „dessen hochmütige Anwissen-, heit auf sämtlichen von ihm behandelten Gebieten nur durch seine Gehässigkeit übertroffen werde". Der Gegensatz zwischen Juden und Nichtjuden, oder richtiger: zwischen Ariern und Semiten, ist der ewig wiederkehrende Grundgedanke bei Chamberlain. Was er eigentlich als semitische und was er als arische Raffe gelten lassen will, wird klugerweise niemals klar von ihm zum Ausdruck. gebracht. Die angeblichen Wirkungen müssen dem „Instinkt" das Vorhandensein der Rasse im konkreten Falle anzeigen. Auch ihm geht wie Gobineau vollkommen das soziale Schauen ab, auch er leugnet jede organische Entwicklung der Rasse,- aber im Gegensatz zu seinem französischen Bundesgenossen schreibt er der Raffenmischung einen überaus unheilvollen Einfluß, zu. - Den HaupLunLerschied zwischen arischem und semitischem Geistesleben findet H. St. Chamberlain sonderbarerweise auf religiösem Gebiete. Dem Arier. ist die Religion eine innere Erfahrung, dem Semiten dagegen nur eine äußere! „Die Juden 'glauben nicht an das in uns lebende, alles durchdringende Göttliche, sondern sie glauben an einen mächtigen Götzen, weil ihre Väter behaupten, er habe einmal vom Sinai herunter zu ihnen gesprochen und allerlei wundersame Kunststücke vollbracht!" Im Gegensatz zum gemütstiefen, freischöpferisch beanlagten Arier herrsche beim Semiten der auf Kosten aller anderen Anlagen übermäßig entwickelte Wille vor. Egoismus, FanatiKmus, Beschränktheit des Geistes seien die Folgen! Hertz weift ausführlich nach, wie unzutreffend die Behauptungen Lhamberlains sind, 'wie nicht der jüdischen Religion der ethische Charakter