Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · p. 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Article
Rasse und Kultur
Date
1915-08-01
Page
148 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316851-2316855-2349913--25560-2350023
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

148 Im deutschen Reich. Kur arischen Rasse rechtfertigt. Hertz stellt nun in der ihm eigenen sarkastischen Weise treffend fest, daß das Aeußere großer Männer häufig in einem recht bedenklichen Gegensatz zu den üblichen Vorstellungen vom germanischen Rassentypus steht. Bismarck, Luther, Laplace, Raffael, Beethoven, Goethe, Schiller, Kant,. Schopenhauer waren z. B. ausgeprägte Breitköpfe. („Schade um diese Leute!" setzt Hertz hinzu. „Was hätten sie erst leisten können, wenn sie lange Schädel gehabt hätten.") Wie wir alles Wertvolle auf Erden den Ariern zu verdanken haben, so ist alles Anedle und Häßliche auf den Einfluß der semitischen Rasse zurückzusühren. Auch hier bemüht man sich, einen nach körperlichen Merkmalen bestimmten Rassentypus festzulegen. Der Verfasser weist demgegenüber darauf hin, daß bei den zahllosen Mischungen und Sprach,Übertragungen, denen die heute als „semitisch" angesehenen Völker ausgefetzt gewesen find, ein semitischer Artypus ebensowenig zu konstruieren ist wie ein arischer. Es gibt eine große Zahl jüdischer Typen, die dem Typus der Völker, unter denen die Juden wohnen, stark angenähert sind-. Das, was wir bei den Juden gern als Rassenmerkmal bezeichnen, wie Sprechweise. Blick, Miene, ist nichts weiter als ein psychisch-soziales Erkennungszeichen. Einer der frühesten Verkünder der Ariertheorie und überhaupt der Rassentheorie war ein Franzose, Arthur Graf Gobineau. In seiner Heimat fand er keine Beachtung; aber in Deutschland erwuchs ihm eine begeisterte Jüngerschaft, dir sein Werk stolz als das Rassenbuch bezeichnet. Rur kurz befaßt sich Hertz mit diesem Schriftsteller, der von der Sprachirnverwandtschaft auf das Vorliegen innerer Verwandtschaft schließt. Im Gegensatz zu den meisten anderen seiner Gesinnungsgenossen hebt -Gobineau die Notwendigkeit der Rassenmischung für die Kulturentstehung hervor; nur die gemischten Rassen können Zivilisation erzeugen. Natürlich ist eine Rasse um so edler, je mehr vom weißen Typus in ihr steckt. Die Idee der organischen Entwicklung kennt Gobineau nicht, den Einflußder umgebenden Natur hält er für sehr unwesentlich. Es könnte nicht ausbleiben, daß, Gobineau durch die Verherrlichung der arischen Rasse, deren Instinkte „Vernünftigkeit und das Aufsuchen des Nützlichen sein sollen", und der sogar eine „Arierdämmerung" Hereinbrechen sieht, in Deutschland zahlreiche Verehrer fand. Auf Richard Wagner hat er stark eingewirkt, und aus seinem Kreise heraus ist in Deutschland die Gobineaugesellschaft entstanden, welche Gobineaus sämtliche Werke in deutscher Aebersetzung herausgegeben hat und auch sonst den Arierkult betreibt. Hertz schließt sich bei seinem Anteil über die Leistung Gobineaus den Ausführungen eines Bewunderers der Persönlichkeit des Franzosen an, der über seine wissenschaftliche Arbeit sagt: „Sie ist weder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.