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Im deutschen Reich · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · p. 147

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Article
Rasse und Kultur
Date
1915-08-01
Page
147 (sequence 3)
Language
German
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9vaffc und Kultur. 147 die Wissenschaft sehr häufig nach -dem Willen ihrer Lehrer geformt wird, ist offenbar. So ist denn bereits die Grundannähme aller Rassentheorien durch die exakte Forschung zerstört worden. Sie alle gehen von der Voraussetzung aus, daß die Menschheit Dauernd in edle und unedle Rassen geschieden ist, und daß die einzelnenRassenfaktoren konstant bleiben. Eine edleRasse wird sich also stets auf der Höhe halten, auf der zu wandeln ihr durch ihre Eigenart bestimmt ist, eine unedle Rasse aber wird nie aus ihren Tiefen sich erheben können. Notwendig wäre für diese Rnveränderlichkeit eine konsequente, durchaus übereinstimmende Vererbung aller inneren und äußeren Eigentümlichkeiten. Die. Forschung hat aber den Beweis erbracht, daß, „die Organismen sehr wandlungs- und anpassungsfähig sind". Auch ist ein strenger Parallelismus zwischen innerer und äußerer Vererbung durchweg nicht wahrzunehmen. Im Gegenteil hatten häufig große Männer (z. B. Goethe, Bismarck) Kinder, die ihnen vielleicht körperlich, keineswegs aber geistig ähnlich waren. Doch in die Ergebnisse der wahren Missenschaft pflegen sich die Propheten der Rassentheorien nicht zu vertiefen. Durchweg erbringen sie überhaupt keinen Beweis für ihre Behauptungen, sondern sie ,,nehmen an" und verlangen von ihren Höreru unbedingten Glauben an die Unfehlbarkeit ihrer Ansichten. Dabei kommt ihnen allerdings zugute, daß die Prinzipien aller Rassentheorien so allgemeiner und formaler Natur sind, daß sie auf jedes Zeitereignis passen und leicht Belege finden. Was dabei als Rasse bezeichnet wird, ist durchaus nicht einheitlich. Ein jeder Rassentheoretiker definiert den Begriff nach eigenem Gutdünken, und H. St. Chamberlain verwirft gar jede Begriffsbestimmung und überläßt es dem „Instinkt", das Dasein der Rasse im besonderen Fall anzuzeigen. Das große Leitmotiv aller Rassentheorien ist die Verherrlichung der arischen — oder um den Begriff enger zu fassen: der germanischen,— Rasse. Alles, was an Wertvollem in der Kulturentwicklung geleistet worden ist, verdankt seine Entstehung Elementen arischer Herkirnst. Als Merkmale der germanischen Rasse werden 'gewöhnlich Vlondheit, Blauäugigkeit, Langköpsigkeit und hohe Statur aufgesührt, oder wie der Rasseüapostel Chamberlain poetisch sagt: „Große, strahlende Himmelsäugen, goldenes Haar, die Riesengestalt, Ebenmaß der Muskulatur, der längliche Schädel (den ein ewig schlagendes, von Sehnsucht gequältes Gehirn aus der Kreislinie des tierischen Wohlbehagens nach vorn hinaus hämmert), das hohe Antlitz (von einem gesteigerten Seelenleben zum Sitze seines Ausdruckes geformt)". Wo auch immer ein Genie aufgetreten ist, dessen Schöpfungen auf die Gestaltung der Kultur von überragendem Einfluß geworden fiub, da bemüht man sich, irgend-, ein Merkmal an ihm zu entdecken, das seine ZuHehörroMt

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