Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Juden als Träger deutscher Kultur im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 124 (sequence 15)
- Language
- German
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124 Fm herrischen Reich. tersuchung auf ihren Ursprung und ihre Entwicklung bilden ein Gebiet der modernen Wissenschaft der Psychologie, das man mit dem engeren Namen der Völkerpsychologie bezeichnet. Was auf diesem Gebiete der große Psychologe Wilhelm Wandt leistet, baut sich auf den grundlegenden Forschungen eines Morin Lazarus (st 1903) und H e r ui a uuSteiut h a l (st 1899) auf. Abhandlungen wie die „über den Ursprung der Sitten", oder die Rede „über die Ideen in der Geschichte", die der Rektor jder Universität zu Bern, M. Lazarus, gehalten, werden ihren bleibenden Wert ebenso behaupten, rote die Schriften Steinthals! über „den Ursprung der Sprache im Zusammenhang mit den letzten Fragen des Wissens" u. a. Noch heute erscheint die von ihnen begründete und in den Jahren 1860 bis 1890, seitdem als „Zeitschrift des Vereins für Völkerkunde" von Weinhold weiter herausgegebene „Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft". Wie diese beiden Männer für das.Gebiet der Völkerpsychologie, ebenso bahnbrechend und wegweisend war der Begründer und Direktor des Breslauer pflanzenphysiologischen Instituts, der Geheime Regierungsrat unb Professor der dortigen Universität Ferdinand Julius Cohn, für das Gebiet der Bakteriologie. Der berühmteste Schüler von Ferdinand Cohn ist der genialste Bakteriologe unserer Tage, Geh. Regierungsrat Robert Koch, dessen bakteriologische Untersuchungen auf den fundamentalen Entdeckungen seines Breslauer Meisters beruhen. Der rinsterbliche Botaniker war auch ein ausgezeichneter .populärwissenschaftlicher Schriftsteller, und seine Werke „Die Menschheit und die ^Pflanzenwelt", „Der Haushalt der Pflanzen" gehören zu den gediegensten Schöpfungen der modernen botanischen Literatur. Es wäre nun erforderlich, uns von hier weiter auf das Gebiet der technischen Erfindungen und Entdeckungen führen zu lassen, um dort Umschau zu halten. Auf diesem Gebiet ist bereits systematische Arbeit geleistet: Man lese die kleine, aber fleißige Schrift von Ernst Heppner „Biographien jüdischer Erfinder und Entdecker", und man wird staunend bemerken, daß neben Koryphäen der medizinischen Wissenschaft, was mau für beinahe selbstverständlich erachtet, hier angeführt werden -ein Heinrich Hertz, dessen praktisch wertvolle Entdeckungen die drahtlose Telegraphie ermöglichten, ein Emil Berliner, der Erfinder des Mikrophons, der wichtigsten Verbesserung des Telephons, der ja auch als Erfinder des Grammophons genannt werden muß. Ein ganzes Gebiet aber müssen wir hier vollständig außer acht lassen, weit es einer umfassenden und sachkundigen Arbeit für sich bedarf: das Gebiet der schönen Künste, der Musik^ Malerei und Schauspielkunst. War es doch auch nicht auf ein Erschöpfen